Wie Telefone Fische fangen. Dr. Karls kuriose Geschichten aus der Wissenschaft

Karl Kruszelnicki, Friedrich Griese


Die Verspaßung und Sexualisierung unserer Gesellschaft, sie macht auch vor der hehren Wissenschaft nicht Halt. Und das ist, wenn es so intelligent wie bei Reto U. Schneider geschieht, nur zu begrüßen. Der diplomierte Elektroingenieur ist Redakteur bei NZZ-Folio, dem Magazin der Neuen Zürcher Zeitung, und füllt dort eine gleich kuriose wie kluge Kolumne mit dem Titel "Das Experiment". Nun hat er die seiner Meinung nach bizarrsten wissenschaftlichen Versuche aus den letzten paar Jahrhunderten ausgewählt und daraus einen Sammelband gemacht, aus dem jeder noch so ignorante Laie schlau wird. So ist in Schneiders "Buch der verrückten Experimente" nachzulesen, bei wie viel Prozent der Fälle es beim Geschlechtsverkehr zum Austausch von Schamhaaren kommt (einem Prozent), was der nachweislich erfolgreichste Eröffnungssatz beim Flirten ist ("es ist mir etwas peinlich, aber ich möchte dich kennen lernen"), und was die vier besten Autostopperstrategien sind (Gebrechlichkeit, eine Frau sein, vollbusig sein, den Autofahrern in die Augen zu schauen). Die Experimente aus allen Bereichen der Forschung werden von Schneider nicht nur kurzweilig beschrieben, sie sind auch gut illustriert. Und wer sich über das Buch hinaus Clips zu ausgewählten Versuchen anschauen will, findet diese auf der Homepage http://www.verrueckte-experimente.de

Kaum weniger amüsant als Schneiders Forschungsbizarrerien sind die von Karl Kruszelnicki kompilierten kuriosen Geschichten aus der Wissenschaft. Während der Zürcher Wissenschaftsjournalist mehr als hundert Experimente zumeist kurz und bündig abhandelt, widmet sich der in Sydney lehrende Physikprofessor in "Wie Telefone Fische fangen" nicht einmal zwanzig originellen Problemen, die er dafür umso gründlicher aufarbeitet. So geht er unter anderem der wichtigen Frage nach, was es mit den Brustwarzen der Männer auf sich hat und was mit transitorisch-globaler Amnesie (TGA) nach dem Geschlechtsverkehr. Was genau, das hab ich dummerweise vergessen.

Klaus Taschwer in FALTER 49/2004



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