Kriminalgeschichte der Antike

Jens-Uwe Krause


Eine "Kriminalgeschichte der Antike" zu verfassen, ist bestimmt kein leichtes Unterfangen, will man über Allgemeinplätze hinausgehen. Für Jens-Uwe Krause, Professor für Alte Geschichte in München, scheint dies jedoch nur folgerichtig, beschäftigt er sich doch hauptsächlich mit der Sozialgeschichte des Altertums. Da er auch über Klientelbindungen in der Antike gearbeitet hat, war der Schritt zur Verbrechensforschung wohl nicht weit. Sein neues Buch behandelt Schuld und Sühne im klassischen Athen sowie im Imperium Romanum und ist nach Delikten, Maßnahmen zur Verbrechensaufklärung und der Tätigkeit der Justiz systematisch gegliedert; die Sachverhalte und Tatbestände werden verständlich und nachvollziehbar geschildert. Wenig überrascht die Feststellung, dass auch in Athen Klassenjustiz praktiziert wurde, mehr schon, dass auch Krause dem Irrtum erliegt, bei der Hinrichtungsart der Kreuzigung wären prinzipiell Nägel zum Einsatz gekommen. Insgesamt aber legt der Autor eine schöne Arbeit zu einem spannenden Thema vor. Ein paar Fragen indes bleiben offen, zum Beispiel, ob die traditionelle Aussage, dass Sklaven bei Untersuchungen stets der Folter unterworfen wurden, auch in den Rechtstexten zu finden ist. Auch das Rätsel potenzieller Auftraggeber von Verbrechen kann nicht gänzlich aufgeklärt werden - wobei betont werden muss, dass spektakuläre Fälle sowieso ausgeklammert werden.

Ein Aufsehen erregendes Verbrechen war etwa die Ermordung des "Pompeius" in einer Zille auf der Flucht vor Cäsar ins ptolemäische Ägypten 48 v.Chr. Die Taten und der Charakter des Feldherren und stadtbekannten Sonderlings werden eloquent und knapp dargestellt, neue Entdeckungen kann der Autor freilich nicht bieten. Warum der Leser dennoch zu dieser jüngsten Lebensbeschreibung greifen kann, liegt an dem überaus reizvollen zweiten Teil der Arbeit. Hier untersucht Karl Christ Familie, Nachleben und Wirkung des Mannes, der erst mit Crassus und Cäsar die Republik beherrschen, und dann als Gegner des Letzteren die verkommene Oligarchie Roms vor diesem retten wollte. Vielleicht ist es für diese Zeit doch nicht ganz falsch, einzelnen Personen nachzuforschen.

Martin Lhotzky in FALTER 44/2004



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