See in Not

Hans-Peter Rodenberg


Hans-Peter Rodenberg liefert in "See in Not" eine komprimierte, beunruhigende Bestandsaufnahme der Meere - der weltweit wichtigsten Nahrungsquelle.

Das ehemalige britische Armeleuteessen Fish and Chips ist heute beinahe ein Luxusmenü - zumindest, wenn es der traditionell übliche Kabeljau sein soll. Nicht nur die Kabeljaubestände brechen trotz Schutzmaßnahmen und sogar ausgedehnter Fangverbote immer mehr ein. Wie war es möglich, dass Fischvorkommen, die jahrhundertelang unerschöpflich schienen, in nur wenigen Jahrzehnten beinahe zum Verschwinden gebracht wurden? Was hat das für Konsequenzen für die Nahrungskette, aber auch für die vielen menschlichen Kulturen, die eng mit dem Meer und dem Fischfang verflochten sind?

Diesen Fragen widmet sich der ARD- und Spiegel-Reporter Hans-Peter Rodenberg in "See in Not", das den neuesten Forschungsstand über die "Nahrungsquelle Ozean" zusammenfasst. Wie dramatisch die Situation ist, verdeutlicht der Autor in Reportagen, die nach Deutschland, Norwegen, Russland und Rumänien, Sibirien, Großbritannien, in den nordatlantischen Raum, nach Grönland, in den West- und Ostpazifik, Alaska, Japan, Sri Lanka, Thailand, Südafrika und in die Antarktis führen.

Aufgegriffen werden so unterschiedliche Themen wie die Kaviarproduktion in Russland, Schrimpsfarmen in Thailand, das Delphinsterben im tropischen Ostpazifik, die Lachsmast in Norwegen und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Krill. Erschreckend sind insbesondere Rodenbergs Berichte über Garnelenaquakulturen, die für Umsatz in den weltweit boomenden Asiarestaurants sorgen, dabei aber das ökologische System der tropischen Küsten massiv gefährden. Und die Reportage über Lachsfarmen mit dem treffenden Titel "Lachs für Aldi" macht so richtig Appetit auf Waldviertler Karpfen.

Zu Wort kommen internationale Experten wie Paul Dayton von der Universität San Diego, Gerd Hubold vom Hamburger Forschungsinstitut für Fischerei, Vertreter der Fischereiindustrie, aber auch Fischer und indigene Wal- und Robbenjäger aus so unterschiedlichen Regionen wie Norwegen, Brasilien, Sri Lanka, Grönland oder Sibirien. Dass Letztere von der riesigen Fischindustrie ebenso in die Enge getrieben werden wie die Meeresbewohner, ist keine Überraschung.

Die zahlreichen Exkurse (zum Beispiel über Etikettenschwindel beim Food-Design, über das Marine Stewardship Council oder über Algen als Rohstoffhoffnung) machen aus "See in Not" ein informatives Plädoyer für eine ökologisch verträgliche Nutzung der Meere. Ein ganz besonderer Geschenktipp für "Nordsee"- und Sushi-Fans.

Karin Chladek in FALTER 41/2004



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