Wissenschaft neu denken. Wissenschaft und Öffentlichkeit in einem Zeitalter der...

Helga Nowotny, Peter Scott, Michael Gibbons, Uwe Opolka


Public Understanding of Science" (PUS) - so lautete bis vor einigen Jahren das offizielle wissenschaftspolitische Credo, wenn es um das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft ging. PUS hat mittlerweile ausgedient, nicht nur weil sich der Zusammenhang von mehr wissenschaftlicher Kenntnis und mehr Zustimmung für Wissenschaft keineswegs als eindeutig erwiesen hat. Im Gegensatz zu diesen Bemühungen, die in erster Linie die Öffentlichkeit im Auge haben, schlägt die Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny mit ihren Kollegen Peter Scott und Michael Gibbons einen ganz anderen Ansatz vor: Sie wollen "Wissenschaft neu denken", so der Titel ihrer seit kurzem auf Deutsch vorliegenden Studie. Wie aber kann die Wissenschaft ihre Legitimationskrise abschütteln, wenn PUS nicht hilft? Nowotny, die Vorgängerin von Michael Hagner an der ETH Zürich, meint mit ihren britischen Kollegen, dass die Wissenschaft in Hinkunft nicht nur zuverlässiges Wissen produzieren wird, wie sie das bisher getan hat, es muss auch gesellschaftlich akzeptiert bzw. sozial robust sein.

Wie eine solche Wissensproduktion aussehen könnte, bei der Laien zumindest theoretisch beteiligt sind, hat Nowotny in einem zweiten neuen Buch diesmal mit Zürcher Mitarbeitern untersucht. Unter dem Titel "Imaginierte Laien" wird da in vier Fallstudien über vier sehr unterschiedliche Bereiche erkundet, inwieweit die Anliegen der Öffentlichkeit in Expertisen eingehen bzw. Laien daran mitbeteiligt sind. Gemeinsam ist den Untersuchungen, nicht weiter überraschend, dass die Experten mehr wissen als die Laien. Doch anstatt auf die Laien zuzugehen, werden die Laien im Normalfall von den Experten bloß imaginiert: Denn so kann der wissenschaftliche Sachverstand durchgesetzt werden, ohne dass die öffentlichen Erwartungen enttäuscht werden.

Klaus Taschwer in FALTER 41/2004



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