Die Bounty. Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty

Caroline Alexander, Friedrich Griese


Caroline Alexander zeigt nach ihrem Bestseller über Shackletons Antarktis-Expedition nun einen noch berühmteren historischen Fall der Seefahrtsgeschichte in neuem Licht: die Meuterei auf der Bounty.

Bis heute ist das Interesse an der legendären Meuterei vom 28. April 1789 lebendig - so lebendig wie die Nachfahren der Meuterer und ihrer tahitianischen Frauen, die nach wie vor auf Pitcairn leben, jener Insel, auf die sich die meisten Meuterer zurückzogen. Zuvor hatten die Offiziere und Seeleute der HMS Bounty, die Brotfrüchte aus Tahiti als Nahrung für die Sklaven in den britischen Kolonien nach Jamaika bringen sollte, die Bounty gewaltsam unter ihre Kontrolle gebracht und den Kommandanten William Bligh gemeinsam mit 17 ihm treuen Männern in einer Nussschale auf hoher See ausgesetzt.

Entgegen alle Wahrscheinlichkeit gelang es Bligh, das völlig überladene, nur 7,5 Meter große Boot in 48 Tagen zu einem holländischen Stützpunkt nach Timor zu steuern. Diese navigatorische Meisterleistung sorgte nach Blighs Rückkehr nach England für großes Aufsehen, bewahrte ihn aber letztendlich nicht davor, in der kollektiven Erinnerung den Part des Bösewichts zugeschrieben zu bekommen. Völlig zu Unrecht, wie Caroline Alexander nach umfangreichen Studien der Logbücher, Prozessakten, Briefe und anderer Originalquellen feststellt.

Schon lange vor den ersten beiden Verfilmungen des Bounty-Stoffes in den Dreißiger- und Sechzigerjahren waren die Rollen der Protagonisten in den Köpfen festgeschrieben: hier der edle Meuterer Fletcher Christian, dort der brutale Kapitän William Bligh, gegen dessen unerträgliches Regime sich die Mannschaft unter ihrem Anführer Christian auflehnte. Die Tatsache, dass die Meuterei nur wenige Monate vor Beginn der Französischen Revolution stattfand, tat das Übrige, um dieses Bild zu verankern.

Caroline Alexander geht es um die Fakten hinter dem Mythos, um die tatsächlichen Ereignisse und die Personen, die in die Meuterei verwickelt waren. Was ihr neues Buch auszeichnet, ist nicht nur die akribische Recherche rund um die legendäre Meuterei und das exakt gezeichnete Bild der britischen Gesellschaft im späten 18. Jahrhundert, sondern auch die Rekonstruktion des Rufmordes, dessen Opfer Kapitän William Bligh wurde. Die einflussreichen Familien der beiden hauptverantwortlichen Meuterer sorgten durch Intrigen und das Aktivieren ihrer mit Adel und Admiralität eng verknüpften Seilschaften für dessen dauerhafte Diskreditierung.

Der hatte sich, so Alexander, "zwar auf Seemannsart mit Schneid und Logik verteidigt, aber er verstand nicht, dass er gegen eine Kraft ankämpfte, die stärker war als jeder Feind auf See - die Macht einer guten Story". Die US-Autorin nennt aber auch den Beginn der Romantik als Grund dafür, warum Bligh als Buhmann abgestempelt werden konnte: "Es war das Pech von Leutnant Bligh, dass sein großes Abenteuer zeitlich genau mit dem Anbruch einer neuen Ära zusammenfiel, welche die Hingabe an einen Ehrenkodex und eine etablierte Autorität als nicht so ehrenvoll betrachtete wie die Verherrlichung der individuellen Leidenschaften und Freiheiten."

Dass Bligh nicht der bösartige Despot war, hatte sich allerdings schon vor Alexanders Buch herumgesprochen. Bereits für die bislang letzte Verfilmung des Stoffes aus dem Jahr 1984 wurde Quellenkunde betrieben. So legte Anthony Hopkins die Rolle des Bligh weit vielschichtiger an als seine Vorgänger Charles Laughton und Trevor Howard. Tatsächlich kommt Hopkins dem Bild eines um Fairness bemühten, wenn auch bisweilen cholerischen Mannes, das Caroline Alexander von Bligh zeichnet, schon recht nahe - wobei die Sympathien des Publikums in dieser Verfilmung aber dennoch unweigerlich bei Mel Gibson als tragischem Helden Fletcher Christian landen mussten.

Dies ist nach der Lektüre von Caroline Alexanders Buch wohl nicht der Fall. Sie erspart den Lesern nicht die Information, dass die britischen Meuterer sich bei ihrer Rückkehr ins paradiesische Tahiti heillos zerstritten. Außerdem behandelten die Briten auf Pitcairn ihre großteils aus Tahiti zwangsentführten Frauen so schlecht, dass diese mehrere Fluchtversuche wagten. Noch dazu gingen die "edlen Helden" innerhalb kürzester Zeit dazu über, die jungen tahitianischen Männer, die ihnen als Freunde gefolgt waren, wie Diener oder sogar Sklaven zu behandeln. Das scheint der Auslöser für eine Serie von Mord und Totschlag auf Pitcairn gewesen zu sein, die innerhalb weniger Jahre fast alle Meuterer das Leben kostete.

Bemerkenswert ist, dass Alexander dem Publikum trotz minutiöser Recherchen und ihrer bisweilen allzu detailverliebten Porträts letztendlich einen Rest von Geheimnis gönnt. Vor allem die widersprüchlichen Angaben der Zeugen über das Schicksal des "Obermeuterers" Fletcher Christian auf Pitcairn lassen unverbesserlichen Romantikern Raum für Spekulation. Was für Caroline Alexander jedoch feststeht, ist der eigentlich auslösende Grund für die Meuterei: eine Überreaktion, für die sie eine vorangegangene Zecherei verantwortlich macht: "Wäre dieses Besäufnis nicht gewesen - die Meuterei hätte nie stattgefunden."Eines war der Selfmademan aus - höchstwahrscheinlich - Genua sicher: der erste Conquistador unter vielen, die durch die Eroberung von Territorien im transatlantischen Raum Geld, Macht, Ruhm und sozialen Aufstieg anstrebten. Wer und wie aber war der Mann, der sich in seiner Wahlheimat Spanien Cristóbal Colón nannte? Wie brachte er als mittelloser Immigrant das spanische Königspaar dazu, seine gewagten Expeditionen zu finanzieren? Was geschah auf seiner letzten Transatlantikreise, von der er als Gescheiterter zurückkehrte?

Diese und viele andere Fragen stellen die Spiegel-Journalisten Klaus Brinkbäumer und Clemens Höger in ihrem Buch "Die letzte Reise. Der Fall Christoph Columbus". Das Buch ist Teil der umfangreichen Berichterstattung des Hamburger Nachrichtenmagazins über ein Wrack vor Panama, das Columbus' Karavelle "Vizcaína" gewesen sein könnte. Der Fund gab den Ausschlag dafür, den neuesten Stand des Wissens über den "Fall Columbus" für ein breites Publikum aufzubereiten.

Beinah monatlich gibt es im Spiegel ein Update über die Forschung rund um das Wrack. Die Wissenschaftscrew des Wochenmagazins versteht es, das Publikum bei der Stange zu halten: Gibt es Neuigkeiten bei der Altersbestimmung? Verdichten sich die Hinweise, dass es sich tatsächlich um die "Vizcaína" handelt? Im Mittelpunkt steht derzeit das Tauziehen zwischen dem Unterwasserarchäologenteam von der Texas A&M University und einer kommerziellen Schatztaucherfirma, wobei die Schatztaucher ihren Vorbildern aus diversen Piratenstorys um nichts nachstehen: Sie beschädigen aus Geldgier das Wrack, wollen Teile verkaufen et cetera. Möglich sei dies durch den Filz zwischen der Schatztaucherfirma und einigen Regierungsstellen Panamas, schreiben Brinkbäumer und Höger.

Übrigens: Rätselmann Columbus sorgte sogar nach seinem Tod noch für Verwirrung, denn er hörte einfach nicht auf zu reisen: Nicht weniger als vier Mal wurde Columbus begraben. Im spanischen Valladolid, in Sevilla, dann in Santo Domingo auf Hispaniola. Im 18. Jahrhundert mussten die Spanier Santo Domingo verlassen, aber sie gingen nicht ohne Columbus - nach Kuba. Als Kuba 1898 unabhängig wurde, ging Columbus mit den Spaniern huckepack zurück nach Europa. Oder doch nicht? DNA-Analysen könnten diese Frage bald klären.

Karin Chladek in FALTER 41/2004



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