Tiefenrausch. Eine Geschichte von Liebe und Obsession

Pipín Ferreras, Ursula Pesch, Karin Schuler


Ein Mann, ein Mädchen und das Meer. Pipín Ferreras' Autobiografie ergibt eine obsessive Lovestory, die gerade von James "Titanic" Cameron verfilmt wird.

Dass es sich beim so genannten Apnoetauchen keineswegs um ein besseres Herumschnorcheln, sondern um eine der gefährlichsten Sportarten überhaupt handelt, wissen alle, die Luc Bessons Kultfilm "Im Rausch der Tiefe" gesehen haben. Dabei ging es um die Rivalität zweier Freitaucher nach den Vorbildern des introvertierten Franzosen Jaques Mayol und des Italieners Enzo Maiorca. Die Hauptrolle aber spielte das Meer.

Den heute gültigen offiziellen Weltrekord im No-Limits-Freitauchen hält allerdings der Exilkubaner Pipín Ferreras, der im Jahr 2000 162 Meter Tiefe erreichte. Der inoffizielle Rekord liegt bei 170 Metern und wird von einer Frau gehalten, der französischen Meeresbiologin Audrey Mestre, Pipíns Frau, die nur wenige Tage nach dieser Höchstleistung bei einem offiziellen Weltrekordversuch starb. Mestre erreichte am 12. Oktober 2002 171 Meter Tiefe - und ertrank, weil der Hebeballon, der Freitaucher normalerweise in kürzester Zeit wieder an die Wasseroberfläche befördert, versagte.

Dem für seinen Ehrgeiz berüchtigten Pipín Ferreras wurde vorgeworfen, seine junge Frau zu schnell zu Höchstleistungen gedrängt zu haben. Ein Vorwurf, den Ferreras in seinem Buch und auf seiner Website den anderen und sich selbst gegenüber mit der Ausnahmebegabung Audreys zu entkräften sucht. Allerdings: Er berichtet auch offen von der Sucht nach dem extremen Risiko und ständig neuen Rekorden, dem harten Konkurrenzkampf und auch dem Neid im professionellen Tauchsport.

Ferreras' Autobiografie ist in der deutschen Version im Münchner Blanvalet Verlag erschienen, der zum Bertelsmann-Konzern gehört und ganz auf Emotionen setzt. Seine Leserschaft wird mit einer üppigen Kollektion von epischen Lovestorys und Familiensagas beglückt, daneben werden auch Fantasy-Fans bedient. Es ist sicher auf diesen verlegerischen Kontext zurückzuführen, dass "Tiefenrausch" noch kitschiger aufgemacht ist, als es Text und Bildauswahl ohnehin nahe legen.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, erfährt in Ferreras' Buch viel über die Faszination des Freitauchens, das in seinen weniger technikbetonten Varianten eine Jahrtausende alte Geschichte hat. Neuerdings ermöglicht das Apnoetauchen sogar der Wissenschaft überraschende Erkenntnisse über die Gemeinsamkeiten von Mensch und Delphin. Physiologische Grenzen? Angeblich plant Pipín Ferreras einen Tauchversuch auf 200 Meter Tiefe ...

Karin Chladek in FALTER 41/2004



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