Das Werden des Lebens. Wie Gene die Entwicklung steuern

Christiane Nüsslein


Grundsätzlich ist es ja zu begrüßen, dass immer mehr Topwissenschaftler versuchen, ihre Forschungen einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Im Idealfall erfahren interessierte Laien so aus erster Hand alles Wissenswerte über neueste Erkenntnisse und deren gesellschaftliche Implikationen. Seit kurzem zählt auch die deutsche Entwicklungsbiologin und Medizinnobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard zu diesen Kommunikatoren, hat sie doch jüngst gleich zwei Bücher über ihr Forschungsgebiet geschrieben. Das erste der beiden, "Von Genen und Embryonen", ist ein preiswertes Reclam-Büchlein, das auf eine öffentliche Vorlesungsreihe der Biologin zurückgeht. Diese will auf 68 Seiten nichts weniger als einen Überblick über "Geschichte der wichtigsten Entdeckungen zur Entwicklung der Tiere geben und den Einfluss der Gene dabei berücksichtigen". Herausgekommen sind dabei im ersten Teil auch wissenschaftshistorisch interessante Erklärungen der wichtigsten Begriffe aus Genetik und Entwicklungsbiologie. Gegen Ende nimmt die Forscherin die rechtliche und gesellschaftliche Situation der Biotechnologie in Deutschland unter die Lupe - und sich kein Blatt vor den Mund. Nüsslein-Volhard plädiert darin unter anderem für die Freigabe von embryonalen Stammzellen zu Forschungszwecken.

Ihrem nicht ganz uneigennützigen Ziel, mehr Akzeptanz für biotechnologische Forschung zu schaffen, dient auch ihr zweites neues Buch. "Vom Werden des Lebens" ist viel umfangreicher als das gelbe Reclam-Büchlein, basiert aber eindeutig darauf. Wirklich neu sind nur die Handzeichnungen, die durch unzureichende Beschriftung allerdings auch nicht gerade zum besseren Verständnis der komplizierten Materie beitragen. Und so erweist sich im Fall der renommierten Entwicklungsbiologin, dass die besten Forscher nicht unbedingt auch die besten Vermittler in eigener Sache sein müssen.

Marie Kurzbauer in FALTER 32/2004



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