Dorfpunks

Rocko Schamoni


"Punk's not dead", sangen die britischen Dosenbierrocker Exploited anno 1981 - und klangen damit weniger rebellisch als vielmehr unangenehm stumpf. Schließlich war Punk in ihrer britischen Heimat zu diesem Zeitpunkt schon von der innovativen Jugendkultur zum alkoholgetränkten Fußgängerzonenphänomen verkommen. Anders verhielt es sich im deutschen Hinterland. Hier kam die Kunde vom maximalen Glück durch minimalen Input erst in den frühen Achtzigern so richtig an. In "Dorfpunks" erzählt der längst in Hamburg beheimatete Musiker, Autor und Allround-Entertainer Rocko Schamoni die Geschichte seiner Menschwerdung in einem kleinen Kaff namens Schmalenstedt an der Ostsee. Charmant und mit bisweilen geradezu schmerzlicher Offenheit berichtet er vom Scheißebauen mit den Jungs, zwischenmenschlichen Irritationen, dem Wechselspiel zwischen Kreativität und Zerstörungswut, dem Aufbegehren gegen jegliche Form von Autorität und ersten künstlerischen Gehversuchen. Für Fans ein echtes Geschenk, ist dieses Buch auch ein unterhaltsames pophistorisches Dokument. Wer immer schon wissen wollte, was an Punk denn gar so toll gewesen sein soll: Rocko Schamoni lässt kaum Fragen offen. Einen ganz anders gearteten Beitrag zur Popgeschichtsschreibung liefert Walter Grasskamp mit "Das Cover von Sgt. Pepper". Der deutsche Kunstgeschichteprofessor reflektiert in diesem interessanten Bändchen die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der 1967 veröffentlichen Beatles-Platte "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" respektive ihres legendären, aus einer Collage historischer Figuren bestehenden Covers. Der großzügig illustrierte und von akademischem Duktus angenehm freie Text analysiert das von Peter Blake geschaffene Werk mit dem Instrumentarium des kundigen Kunsthistorikers, weiß gleichzeitig aber auch um die Biografie der Beatles und die Popkultur der ausgehenden Sechziger gut Bescheid.

Gerhard Stöger in FALTER 30/2004



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