Blumenkorso oder das Jahr 37. Prosa

Franz J Behnisch, Jürgen Kostka


Fritz Duncker ist 16 und taumelt mit Skrupellosigkeit und Naivität von einem schlitzohrigen Geschäft zum nächsten. Es ist ihm gleich, ob er mit verbotenen Büchern oder gefälschten Abzeichen handelt, deren Originale die NSDAP zur Finanzierung des "Blumenkorso" veräußert, der Geburtstagsfeier zum 700-jährigen Bestehen Berlins im Jahr 1937. Hauptsache, er erlebt etwas und kommt in der Stadt herum. Fritz macht sich gut als Protagonist eines Romans, der den Leser in unbekannte Winkel der nationalsozialistischen Hauptstadt führt, von denen selbst in dem auf Vollständigkeit erpichten Themenstadtführer "Berlin 1933-1945" nur die allerwenigsten verzeichnet sind.

Das liegt in der Natur der Genres.

Während Maik Kopleck für seine touristische Spurensuche nur Orte berücksichtigen kann, an denen das bloße Auge fündig wird, steht es dem 1983 verstorbenen Erzähler Franz Joachim Behnisch frei, mit seinem Roman "Blumenkorso oder das Jahr 37" in die heute unsichtbaren Alltagswelten aller dereinst an der Spree vertretenen Schichten und damit auch zu Orten abzutauchen, an denen keine Gedenktafeln an den NS-Terror erinnern. Behnischs autobiografisch gefärbte Rekonstruktion erreicht eine größere Tiefe als Koplecks Aufzählung von Reichstag, Hinrichtungsstätten, Klein-KZs und anderen Erinnerungsorten.

Wunderbar vor allem: Die Episode, in der Fritz unter Nazirecken gerät, die Hitler für links halten, im Zug des Röhm-Putschs entehrt wurden und nun ein Comeback in der SS anstreben. Um Behnischs fulminantem Führer durch das Berlin der Illegalen, Duckmäuser, Mitläufer und Rechtsüberholer vor Ort folgen zu können, muss man sich allerdings einen Stadtplan kaufen; bei Kopleck sind Karten dem Genre entsprechend inkludiert. Fritz Duncker ist 16 und taumelt mit Skrupellosigkeit und Naivität von einem schlitzohrigen Geschäft zum nächsten. Es ist ihm gleich, ob er mit verbotenen Büchern oder gefälschten Abzeichen handelt, deren Originale die NSDAP zur Finanzierung des "Blumenkorso" veräußert, der Geburtstagsfeier zum 700-jährigen Bestehen Berlins im Jahr 1937. Hauptsache, er erlebt etwas und kommt in der Stadt herum. Fritz macht sich gut als Protagonist eines Romans, der den Leser in unbekannte Winkel der nationalsozialistischen Hauptstadt führt, von denen selbst in dem auf Vollständigkeit erpichten Themenstadtführer "Berlin 1933-1945" nur die allerwenigsten verzeichnet sind.

Das liegt in der Natur der Genres.

Während Maik Kopleck für seine touristische Spurensuche nur Orte berücksichtigen kann, an denen das bloße Auge fündig wird, steht es dem 1983 verstorbenen Erzähler Franz Joachim Behnisch frei, mit seinem Roman "Blumenkorso oder das Jahr 37" in die heute unsichtbaren Alltagswelten aller dereinst an der Spree vertretenen Schichten und damit auch zu Orten abzutauchen, an denen keine Gedenktafeln an den NS-Terror erinnern. Behnischs autobiografisch gefärbte Rekonstruktion erreicht eine größere Tiefe als Koplecks Aufzählung von Reichstag, Hinrichtungsstätten, Klein-KZs und anderen Erinnerungsorten.

Wunderbar vor allem: Die Episode, in der Fritz unter Nazirecken gerät, die Hitler für links halten, im Zug des Röhm-Putschs entehrt wurden und nun ein Comeback in der SS anstreben. Um Behnischs fulminantem Führer durch das Berlin der Illegalen, Duckmäuser, Mitläufer und Rechtsüberholer vor Ort folgen zu können, muss man sich allerdings einen Stadtplan kaufen; bei Kopleck sind Karten dem Genre entsprechend inkludiert.

Martin Droschke in FALTER 20/2004



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