NAHAUFNAHME: Michael Haneke. Gespräche mit Thomas Assheuer

Thomas Assheuer


"Spannung ist der Leim, auf dem man den Zuschauer kleben lassen muss", sagt Michael Haneke und klingt dabei wie Alfred Hitchcock. Der bemerkte einmal gegenüber François Truffaut: "I enjoy playing the audience like a piano." Im höchst unterhaltsamen Klassiker "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" hinterließ dieser 1966 sein Vermächtnis in Interviewform. Analog präsentiert sich auch die neueste Veröffentlichung zu Michael Haneke als Gespräch, aufgezeichnet von seinem Gegenüber Thomas Assheuer, Katholik, Habermas-Schüler und Feuilletonredakteur bei der Zeit. Er fragt vorsichtig, wohlwollend und legt Haneke gelegentlich geradezu die Worte zurecht, sodass dieser nur ein "Genauso würde ich es auch sagen" zurückzugeben braucht. Man hätte sich etwas mehr Reibung gewünscht in dem Gespräch, in dem es vorwiegend um Fragen des Inhalts und dessen moralische und gesellschaftspolitische Implikationen geht. Der handwerkliche Aspekt des Filmemachens – Schauspielerarbeit, Kamera, Schnitt – interessiert Assheuer kaum.
Dennoch liest sich der Band anregend, wie stets erweist sich Haneke als belesenes und sprachgewandtes Gegenüber: "Das tiefste Gefühl ist die Angst. Davon handeln meine Filme ebenso wie von den Versuchen, sich vor den Krisen, die einen treffen, zu schützen." Im Anhang finden sich zwei kurze Aufsätze des Filmemachers selbst zu Robert Bresson und Fragen der Gewalt im Kino.

Maya McKechneay in FALTER 37/2008



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