Leutnant Pepi zieht in den Krieg. Das Tagebuch des Josef Prochaska

Walter Klier


Der letzte Soldat der k.u.k. Armee starb erst im heurigen Frühjahr. Dem kollektiven Vergessen des Ersten Weltkriegs arbeitet, 90 Jahre nach dessen Ende, Walter Klier entgegen, der die erhaltenen Briefe und Tagebücher seines Großvaters, des Frontoffiziers Josef Prochaska, publiziert hat. Das Buch erinnert auch vom Umfang her an Karl Kraus' Weltkriegsdrama "Die letzten Tage der Menschheit", doch im Gegensatz zur Kraus'schen Gesamtschau zeigt Klier den Weltkrieg ausschließlich aus der Froschperspektive des einzelnen Soldaten. Die Notizen setzen in der Vorkriegszeit ein, als sich der Innsbrucker Gymnasiast und spätere Jusstudent für den damals noch völlig neuen Alpinismus begeistert. Als Leutnant an der russischen Front und im galizischen Hinterland berichtet er wenig später aus der Welt des Schtetls, von Kirchen und Landschaften in "russisch Polen", vor allem aber von Kampfhandlungen, die in ihrer makabren Absurdität immer wieder an Stend-hals Beschreibung der Schlacht von Waterloo erinnern.
Die Korrespondenz beginnt mit den Worten "bisher ist der Krieg ganz lustig" und zeugt von der langsamen Zermürbung eines jungen Mannes. 1916 wird er, bereits mehrfach verwundet, als Kommandant einer Skigruppe an die Hochgebirgsfront gegen Italien verlegt. Den Zusammenbruch erlebt er in einem Stollen des Ortlermassivs. Ein Protokoll auf Augenhöhe und einer der seltenen überzeugenden Beiträge zum Gedenkjahr 2008.

Georg Renöckl in FALTER 36/2008



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