Florentinerpakt. Palinskis achter Fall

Pierre Emme


Pierre Emme war ein Spätberufener. Nachdem der promovierte Jurist 2003 in Privatkonkurs gegangen war, flüchtete er sich in die Literatur: "Der damals in drei Monaten entstandene, 480 Seiten starke Roman mit dem sinnigen Titel ‚What a mess' ist unlesbar, war aber ungemein befreiend", verrät er selbst auf www.krimiautoren.at. Danach begann Emme, Krimis zu verfassen, die in schneller Folge erschienen – und die keineswegs unlesbar sind. In nur fünf Jahren hat es der Autor auf acht Krimis gebracht, die geprägt sind vom Wiener Lokalkolorit, verwickelten Plots und gelegentlichen Ausflügen ins Kulinarische – schnell geschriebenes Lesefutter für Freunde des Genres, die nicht allzu große Ansprüche an sprachlichen Feinschliff oder psychologische Glaubwürdigkeit stellen. Spannend sind Emmes Krimis aber allemal.
Im achten Fall von Emmes Ermittler Palinski geht es um eine Gruppe von Maturanten, die einen Freundschaftspakt mit einem Koffer wertvoller Dinge besiegeln. Bevor sie ihn, wie geplant, viele Jahre später auspacken können, sind einige von ihnen auf rätselhafte Weise ums Leben gekommen. Kurz vor dem Tag X spitzt sich die Situation zu. Sein Humor lässt den Roman mehrfach die Klippen der abstrusen Geschichte umschiffen und garantiert trotz des über weite Strecken wirren Plots doch eine unterhaltsame Lektüre. Pierre Emme ist am 8. Juli im Alter von nur 65 Jahren gestorben.

Thomas Askan Vierich in FALTER 36/2008



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