Stadt des Ruhms. Erzählungen

Juan E Zúñiga, Friedrich Stockmann


Auch knapp 70 Jahre nach seinem Ende bleibt der Spanische Bürgerkrieg ein belieb­tes Motiv in Spaniens Literatur. Jüngstes Beispiel ist der vorliegende Band, der zehn Erzählungen aus jenen Monaten des Kriegs enthält, in denen Madrid als Hauptstadt der legitim gewählten Republik von den nationalistischen Truppen des aufständischen Generals Franco belagert wurde. Die Protagonisten, in der Regel Frauen, kämpfen aber weniger gegen den Feind, sondern vor allem ums blanke Überleben. Und in der Stadt hat sich bereits die Erkenntnis verbreitet, dass die Niederlage unausweichlich ist. Es ist eine Literatur der Besiegten, deren Heroismus darin besteht, dass das moralische Recht auf ihrer Seite war.
Zúñiga ist Jahrgang 1929 und stammt selbst aus Madrid, hat die Zeit also als Kind miterlebt. Wie viel Autobiografisches in das von Eva Steiner, der Lebensgefährtin des Bundeskanzlers, ins Deutsche übertragene Buch eingeflossen ist, lässt sich schwer herauslesen. Jedenfalls werden auch weniger heldenhafte Facetten des republikanischen Lagers nicht ausgespart. Die internen Kämpfe zwischen Kommunisten und Anarchisten etwa oder Vergeltungsaktionen gegen (vermeintliche) Faschisten, die oft über das Ziel hinausschossen. Ein exemplarischer Satz dazu: "... eine diffuse Gewissheit, die so schwer zu akzeptieren ist, dass der Vater in der Patrouille der ‚Luchse im Morgengrauen' ein Mörder gewesen sei."

Edgar Schütz in FALTER 35/2008



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