Madonna und wir. Bekenntnisse


Mater nostra

Ein neues Buch über Madonna also. Aber ist Frau Ciccone-Ritchie, die am 16. August ihren 50. Geburtstag feiert, nicht längst bis in die letzte Faser analysiert? Hat sie uns nicht selbst alles gezeigt, jedes Geheimnis offenbart? Wir sind doch bestens mit ihrem Leben vertraut, ihren Liedern und ihren vielen Gesichtern! Kann ein derartiges Buch also überhaupt Sinn ergeben? "Madonna und wir. Bekenntnisse", herausgegeben von den deutschen Musikjournalistinnen Kerstin und Sandra Grether, gibt auf diese Frage eine eindeutige und überzeugende Antwort: Ja, ein derartiges Buch macht Sinn – und obendrein sehr viel Spaß.
Die mehr als drei Dutzend Texte in diesem mit künstlerischen Arbeiten zum Thema illustrierten Reader suchen formal wie inhaltlich unterschiedlichste Zugänge zum Phänomen Madonna. Mal analytisch, dann wieder schwelgerisch, mal aus der Warte des Fans, dann wieder aus jener des Kritikers, mal journalistisch, dann wieder literarisch, mal auf Fakten, dann wieder auf Stimmungen und Assoziationen basierend umkreisen sie die Schlüsselfigur im Pop des vergangenen Vierteljahrhunderts, würdigen diese als unbestrittene Königin des Genres und hinterlassen bisweilen sogar Kratzspuren an der Krone.
Jeder Grund, sich nicht mit Madonna zu beschäftigen, sei ein Grund, es doch zu tun, meint der Zeit-Journalist Thomas Groß in seinem Beitrag – und beschreibt die Madonnaisten als die neuen Dylanologen. Die anderen Bekennerinnen und Bekenner würden ihm wohl kaum widersprechen; sie kommen aber durchwegs ohne den religiös verbrämten Silberblick aus, der die intensive Beschäftigung mit Bob Dylan begleitet.
Apodiktische Aussagen sind freilich auch den Madonnaisten nicht fremd. Es gebe nur zwei Sorten von Menschen, schreibt Steven Ansell von der britischen Band Blood Red Shoes, die Jungen und die Erwachsenen. "Das ist keine Frage des Alters, sondern nur eine Frage der Haltung. Den Jungen geht es um Energie und Wandel und Sinn, um laute Musik und Liebe und um die Zukunft. Den Erwachsenen dagegen geht es um Angst, um Egoismus und ums Stillhalten. Und ich weiß, auf wessen Seite Madonna steht."

Gerhard Stöger in FALTER 33/2008



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