Architektur der Stille

Karl Mang


Der Wiener Architekt Karl Mang, Jahrgang 1922, gehört zu jenen Einzelgängern, die ob ihrer künstlerischen und politischen Unabhängigkeit stets außerhalb der öffentlichen Aufmerksamkeit verblieben. Keine Großprojekte, sondern Ausstellungs- und Shopgestaltungen bilden den Schwerpunkt seines Werkverzeichnisses. Die Gestaltung von Geschäften der Firmen Thonet (1971) und Morawa (1972) und von Ausstellungen über den kommunalen Wohnbau der Ersten Republik (1977–1979) zeichnet eine für die Nachkriegsmoderne typische elegante Leichtigkeit aus.
Die von ihm und seiner Frau Eva aufbereiteten Themen sozialer Wohnbau oder Möbeldesign (etwa die Wanderausstellung "Die Shaker", 1974–77) verraten ein historisches Interesse, in dem auch ein Ungenügen an der Gegenwart zum Ausdruck kommt; die Einfallslosigkeit des kommunalen Wohnbaus war ihm ein Gräuel. 1972 entstand ein Ferienhaus der Familie, ein bescheidener Bau aus Sichtbeton- und Holzriegelwänden aus dem Geist der Schriften Henry Thoreaus und der skandinavischen Architektur – ein Manifest der Stille.
Das "Haus Christen" (1964) in Weidling ist eine Ikone der spätmodernistischen Architektur, in der die Raumphilosophie eines Richard Neutra aus Kalifornien nach Wien zurückkehrte. Ebenfalls im Böhlau Verlag erschien der Band "Schriften, Skizzen, Erinnerungen", eine Art intellektuelle Autobiografie des Architekten.

Matthias Dusini in FALTER 33/2008



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