Drei Schritte von der Herrlichkeit

Arno Orzessek


Dies ist der ultimative Roman zur deutschen Einheit und zu den Befindlichkeiten im Berlin des 21. Jahrhunderts, stimmig bis ins letzte anhaltinische Detail. Orzessek erzählt von der lebenslangen Freundschaft dreier Männer: Max ist ein angeberischer, kluger Womanizer, der zum Millionär wird. Paul ein verträumter Intellektueller, der spät zum neoliberalen Aufsteiger an der Berliner Kastanienallee avanciert. Albert ein Radiojournalist, der das Ganze beobachtet und aufschreibt.
Man kann nur spekulieren, wie viel Selbsterlebtes in diesem Buch steckt. Jedes Detail stimmt, auch jede der sprachlichen Kapriolen, die allerdings bisweilen ins Kapriziöse rutschen. Macht nichts. Das passt zum "Lautsprecher" Max. Mit dessen Krebsdiagnose und Lebenskrise setzt der Roman im Jahr 2000 furios ein. Zwischendurch springt er zurück in die 70er-Jahre, in die beengte Jugend in der deutschen Provinz – Ost und West. Paul (West) verliebt sich in Cousine Almuth (Ost). Orzessek taucht noch einmal in alle ideologischen Gräben, die damals durch viele deutsch-deutsche Familien liefen.
Später verliebt sich Paul in die Freundin von Max. Und der in Almuth. Da sind wir zurück im Berlin der Gegenwart. Und bei den Ereignissen von 9/11. Auf einer Ranch in Montana schließt sich der Kreis nach vielen entzückenden Umwegen elegisch. Ein toller Roman, der einem sehr nahe kommt, aber niemals auf die Füße tritt.

Thomas Askan Vierich in FALTER 31/2008



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