Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird

Harald Welzer


Einmal mehr schreibt der Autor eines Buches über den Klimawandel, er wünsche sich, Unrecht zu haben. In diesem Fall der Sozialpsychologe Harald Welzer, der die möglicherweise apokalyptischen Folgen der Klimaveränderungen skizziert. Am Beispiel des Nationalsozialismus und der Kriege in Bosnien und Ruanda hat Welzer erforscht, wie aus "ganz normalen Menschen" Massenmörder werden – und wie in einigen Regionen der Welt der Kampf um immer knapper werdende Ressourcen bereits jetzt zu permanenter Gewalt führt. Zum Beispiel in Darfur.
Auch der aktuelle Bericht des United Nations Development Program geht auf die Zusammenhänge zwischen Gewalt und Lebensbedingungen infolge des Klimawandels ein. Die Genfer Flüchtlingskonvention ist allerdings veraltet und vernachlässigt die schon heute auf rund 26 Millionen geschätzten "Klimaflüchtlinge" völlig. Für deren Überleben bräuchte es ein neues internationales Abkommen. Denn immer mehr Menschen sehen, so Welzer, keine andere Wahl mehr, als mit allen Mitteln in die (auch) klimatisch begünstigten Industriestaaten zu gelangen. Dies führe zu immer mehr Gewalt, wenn die Industriestaaten ihren Wirtschaftsstil und den Umgang mit der von ihnen verursachten Klimakrise nicht bald änderten.
Welzers pessimistische Prognosen sind erschreckend plausibel, doch die Tatsache, dass das Thema auf der politischen Agenda immer weiter nach vorne rückt, gibt zumindest Grund zur Hoffnung.

Karin Chladek in FALTER 31/2008



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