Die Macht der Rituale. Symbolik und Herrschaft im Mittelalter

Gerd Althoff


Warum immer Wäscherinnen dabei waren, fragte bereits Terry Jones in seiner erstaunlichen BBC-Dokumentation über die Kreuzzüge. Und Bertolt Brecht wollte in seinen "Fragen eines lesenden Arbeiters" wissen, ob Cäsar nicht wenigstens einen Koch bei sich hatte. Den Wäscherinnen jedenfalls widmet Sabine Geldsetzer in ihrem Buch "Frauen auf Kreuzzügen 1096-1291" ein ganzes Kapitel. Im Grunde taten die mitziehenden Frauen nicht so viel anderes als daheim, nur halt unter etwas schwierigeren Umständen. Es gab aber auch Frauen, die im Kampf mitmachten, bei Plünderungen dabei waren oder für Kranke und Verwundete beteten. Wäscherinnen standen in einem schlechten Ruf. Die Kleriker nämlich sahen in ihnen bloß böse Verführerinnen - wohl deshalb, weil sie sich das Waschen, Putzen und Schrubben durch luftige Kleidung zu erleichtern trachteten. Zum wenigen Mittelalterlichen, das sich heute noch im kollektiven Gedächtnis findet, zählt neben den Kreuzzügen der Gang nach Canossa. Der deutsche Kaiser Heinrich IV. wartete im Jahr 1077 dort angeblich drei Tage lang barfuß und bei Schnee auf ein Gespräch mit Papst Gregor VII., der ihn mit einer Bannung belegt hatte. Schon bei der Frage, ob er dies demütig tat, sich selbst dazu entschlossen hatte oder ob ihm dies als Buße auferlegt worden war, scheiden sich die Geister. Auch Gerd Althoff sieht diese Episode als eine einschneidende Begebenheit an. Da er sich in seiner Arbeit über "Die Macht der Rituale" im Mittelalter aber weniger mit machtpolitischen Dingen beschäftigt, lässt er die politischen Folgen außer Acht. Sein Hauptaugenmerk richtet er auf Unterwerfungsgesten, die damals vom Kniefall bis zum ausgestreckten Bauchliegen reichten - und deren Symbolik bis heute nicht allzu schwer zu deuten ist.

Martin Lhotzky in FALTER 16/2004



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×