Taxi

Karen Duve


So mancher hoffnungsfrohe junge Mensch endet nach einem abgebrochenen Studium oder einer vergleichbaren Malaise als Taxichauffeur: Da ist er dann zwar fortwährend in Bewegung, aber doch, was das Ziel betrifft, ganz fremdbestimmt. Der jungen Heldin in Karen Duves schönem, angenehm bitter zu lesendem Roman "Taxi" ist das aber gar nicht unrecht. Diese Alexa hat durchaus Talente. Selbstständig Entscheidungen zu treffen, gehört allerdings nicht dazu. Deswegen bleibt sie dem Job, den sie insgeheim hasst, treu und erlebt eine Taxifahrergeschichte nach der anderen.
Und die Leser sind mit dabei und schauen kein bisschen besorgt aufs Taxameter, denn die Fahrt könnte endlos so weitergehen. Alexa, die sich für Menschenaffen interessiert und fast nur an affige Männer gerät, schreibt heimlich. Es wird im Buch nicht viel Aufhebens darum gemacht; aber am Ende ahnen wir: Irgendwann wird sie als Autorin aus dem Auto steigen – und vielleicht einmal ein Buch mit ihren komischsten, traurigsten, absurdesten Taxierlebnissen veröffentlichen. Und wir werden uns der flotten Taxifahrerin anvertrauen, auch wenn sie ein Problem damit hat, sich die Hamburger Straßennamen zu merken.
Dass Karen Duve, bevor sie zur Bestsellerautorin wurde, mit dem Taxi durch Hamburg cruiste, sollte wenigstens am Ende der Besprechung noch erwähnt werden. Die Frau weiß, wovon sie spricht.

Ulrich Rüdenauer in FALTER 30/2008



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