Freuds Wien. Eine Spurensuche

Eva Gesine Baur


Wien und Freud gehören zusammen, das ist klar. In Anekdoten und Episoden zeichnet Eva Gesine Baur das oft zwiespältige Verhältnis zwischen dem Seelenforscher und der Hauptstadt der Doppelmonarchie nach. Karmeliterviertel, Berggasse, Innenstadtcafés und Cottageviertel – quer durch Wien führt das Buch zu den Plätzen und Gebäuden, die im Leben des Psychoanalytikers eine Rolle spielten. Der Blick richtet sich dabei weniger auf deren Architektur als auf Freuds Verbindungen zu den Bewohnern. Am Ende jedes Kapitels finden sich Tipps für Spaziergänge auf seinen Spuren.
Dazu gibt's Schwarzweißaufnahmen von bedeutsamen Wegbegleitern Freuds und von Bauwerken. Das lockert die eingängig erzählten biografischen Streiflichter zusätzlich auf. An manchen Stellen wirkt die Spurensuche dennoch etwas verkrampft – etwa bei der Exkursion in die Villa Schnitzlers, die Freud nie betrat. Mangelnde Recherche kann man der Autorin nicht vorwerfen, allerdings einige Ungenauigkeiten, was den Wiener Stadtplan betrifft. Der von ihr erwähnte "Sigmund-Freud-Platz" findet sich darauf nicht.
Ideal ist das Buch ohnehin für Menschen, die's nicht ganz so genau wissen wollen: Wer sich für die Geschichte der Psychoanalyse interessiert, dafür aber kein historisches Quellenstudium in Kauf nehmen will, findet hier eine leicht zu erklimmende Hintertreppe zum Leben und Werk Sigmund Freuds und seiner Mitstreiter.

Andreas Kremla in FALTER 30/2008



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