Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog

Wolf Singer, Matthieu Ricard


Die neu gegründete edition unseld hat sich dezidiert dem Dialog zwischen Natur- und Geisteswissenschaften verschrieben. In Band vier verständigen sich der Hirnforscher Singer und der buddhistische Mönch Ricard über die Beziehungen zwischen neurobiologischen Erkenntnissen und kontemplativen Praktiken, wobei der Buddhismus und seine Methode der Meditation nicht als Religion, sondern als Wissenschaft des Geistes und Weg zur Transformation verstanden werden. Dabei wird der Anspruch, das naive Bild zu korrigieren, das im Westen immer noch über die Meditation vorherrscht, auf mühelose und gut verständliche Weise eingelöst.
Wissenschaftliche Versuche gaben nach Singer Hinweise darauf, dass Meditation mit einem Hirnzustand hoher Synchronizität einhergeht, der mit jenem nach einem gelösten Problem vergleichbar ist und besonders positive Gefühle auslöst. Allerdings, rückt Ricard die Perspektiven zurecht, gehe es im Buddhismus nicht primär um dieses Gefühl inhaltsloser Harmonie und die Maximierung persönlichen Glücks, sondern um die Entwicklung von Mitgefühl. Wobei er dem Dalai Lama durchaus Recht gibt, der einmal bemerkte, dass der Bodhisattva – der für Buddhisten in idealer Weise Altruismus und Mitgefühl verkörpert – auf kluge Weise egoistisch sei, während derjenige, der immer nur an sich selbst denke, auf dumme Weise egoistisch sei und sich damit nur das Leben schwer mache.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 28/2008



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