Das Verbrechen der Vernunft. Betrug an der Wissensgesellschaft

Robert B. Laughlin


Der Begriff der Wissensgesellschaft verschleiert, dass man besser von Nichtwissensgesellschaft sprechen sollte. In den USA wurden etwa nach 9/11 330 Millionen Seiten an Forschungsliteratur "reclassified", aus Angst vor Terroristen. Nicht nur militärisch relevantes, auch wirtschaftlich verwertbares Wissen verschwindet zusehends in den Safes der Industrie, Stichwort: Patente und geistiges Eigentum. Der US-Physiknobelpreisträger Robert Laughlin sieht einen nicht auflösbaren Widerspruch zwischen dem Wissensdrang des Einzelnen und den Sicherheitsinteressen der Gesellschaft sowie dem Profitstreben der wissensbasierten Wirtschaft. Wissen ist gefährlich, und man macht sich leichter strafbar, als man denkt. Leider kommt das dünne Büchlein, das man auch noch um die Hälfte hätte kürzen können, reichlich geschwätzig und mit gewöhnungsbedürftigem Humor daher, die Zahl der Anekdoten übertrifft jene der interessanten Thesen bei weitem.
Das Problem des verbotenen Wissens ist nicht gerade neu, und es gibt sehr viel bessere Analysen. So findet Laughlin etwa, dass es keinen Unterschied mache, ob Wissen aus ökonomischen oder militärischen Gründen geheim gehalten wird. Da wundert es nicht, dass er keinerlei Handlungsoptionen oder Lösungsmöglichkeiten anzubieten hat und stattdessen ein Exil auf dem Mond empfiehlt. Physiker, bleib bei deinen Quanten!

Oliver Hochadel in FALTER 28/2008



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