Mein Leben als Suchmaschine

Horst Evers


Ein Buch, bei dem man beim Lesen lachen muss, ohne sich auf die Schenkel zu klopfen. Denn Horst Evers führt eher die feine Klinge. Der aktuelle Träger des Deutschen Kleinkunstpreises macht aus kleinsten Alltagsszenen menschlich ergreifende, absurd wahre und witzige Miniaturen, in denen jedes Wort, jeder Zwischenton sitzt.
Ein Beispiel: Mann wartet an der Bushaltestelle. Bus kommt nicht. Mann tritt gegen das Wartehäuschen. Prompt kommt der Bus. Mann schnauzt den Busfahrer an: "War das denn unbedingt nötig? Musste es denn erst so weit kommen, dass ich gegen das Häuschen trete?" Der Busfahrer schaut ihn an und nickt schuldbewusst. "Ja, es stimmt, er habe die ganze Zeit schon an der Ecke gestanden und nur darauf gewartet, dass ich endlich mal gegen das Häuschen trete."
Es ist ein bisschen wie in der modernen Kunst: Kann ich auch! Kann man eben nicht. Gerade in der augenzwinkernden Naivität Evers liegt seine ganz große Kunst, steckt eine Menge Lebens- und Schreiberfahrung. Und auch ein wenig Traurigkeit. Denn Evers Helden sind eher verträumt Scheiternde als echte Gewinner. Wenn er auf der Bühne steht, trägt Evers seine Texte mit unschuldigem Augenaufschlag und völlig unspektakulär vor. Das Pub­likum krümmt sich vor Lachen, aber Evers tut so, als wüsste er nicht, warum. Dabei weiß er ganz genau, wie man Pointen setzt. Der gleiche Effekt stellt sich beim Lesen ein. Große Kunst in kleinem Rahmen.

Thomas Askan Vierich in FALTER 26/2008



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