Könnte Köln sein. Städte. Baustellen. Roman

Andreas Neumeister


Wenn es so etwas gäbe, dann müsste Andreas Neumeister den Sonderpreis für den schönsten Buchtitel der Saison erhalten: "Könnte Köln sein" klingt nicht nur gut, sondern führt auch schon vor, was in dieser Prosa geschieht. Sprache wird als Material verwendet, rhythmisiert und geordnet, um Wahrnehmung und Erkenntnis zu lenken. "Könnte Köln sein" – das ist der Blick des Reisenden aus dem Zug oder bei Neumeister eher der Blick aus dem Flugzeug herab auf die Städte der Welt.
Der Titel setzt die Desorientierung des Sprechers voraus, der gar nicht so genau weiß, wo er sich befindet. "Könnte Köln sein" ist noch steigerbar: "Dürfte Düsseldorf sein. Müsste München sein." "Mjunik" ist Neumeisters Basisstation, von der aus er in alle Richtungen aufbricht: in den Osten – nach Estland, Polen und Russland; in den Westen – nach New York, Los Angeles und Mexiko. Und auf der Zeitachse zurück in die Vergangenheit. Denn was wäre eine Stadt anderes als gebaute Geschichte?
Rom ist folglich die erste Station. Mussolinis Bauten, Hitlers Berlin, Stalins Moskau – stets interessiert sich Neumeister dafür, was von der Geschichte sichtbar bleibt. "Gibt es die neue Weltordnung schon?", fragt er, als stünde er in einem Laden und wollte eine neue CD erwerben. Die Frage bleibt unbeantwortet. Einen interessanten Blick auf die Welt bietet sein unterhaltsames, anregendes und nicht ganz unschwieriges Buch auf alle Fälle.

Jörg Magenau in FALTER 26/2008



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