Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue...


Hirnforscher neigen dazu, Psychoanalytiker als unwissenschaftlich zu betrachten. Diese wiederum unterstellen den Laborforschern gerne Weltfremdheit. Eric R. Kandel ist beides, Psychoanalytiker und Neurowissenschaftler. In sechs Aufsätzen veranschaulicht der Nobelpreisträger seinen Brückenschlag zwischen den beiden Welten.
"Psychotherapie kann Änderungen im Gehirn induzieren", schreibt Kandel. Es könnte als Schlagzeile über seinen Forschungen stehen. Dass die Ausstattung unseres Nervensystems das Verhalten bestimmt, ist unbestritten. Kandel zeigt, dass auch das Umgekehrte gilt: Was wir tun und erleben, verändert die neuronale Hardware im Gehirn. Seine Beispiele dafür reichen von einer neurologischen Betrachtung der Psychotherapie über die Genetik bis zur Gedächtnisforschung. Angelpunkt der Aufsätze bleibt der Dialog zwischen Neurobiologie und Psychoanalyse. Ergänzt werden sie durch Kommentare von Experten beider Fächer.
Der Forscher präsentiert seine Erkenntnisse zwar plastisch, spickt sie allerdings auch mit wissenschaftlichem Fachvokabular. Wenn man also mit psychologischer und neurologischer Terminologie wenig vertraut ist, sollte man ein Wörterbuch zur Hand haben. Eric R. Kandels Buch führt direkt ins Innere der von ihm versöhnten Disziplinen. Wer sich durch ein wenig Fachjargon durchbeißt, wird mit spannenden Einblicken belohnt.

Andreas Kremla in FALTER 25/2008



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