Ich bin eine seltsame Schleife

Douglas R. Hofstadter, Susanne Held


Schleifen im Kopf

"Diesem Satz jedes dritte, aber er trotzdem verständlich." Alles klar? Der Satz spricht über sich selbst, ihm fehlt nämlich jedes dritte Wort. Selbstbezügliche Sätze sind das Lieblingsthema von Douglas R. Hofstadter, ganz besonders gern hat er eine Arbeit des österreichischen Mathematikers Kurt Gödel. Dieser fand 1931 ein Theorem, das paradoxerweise von sich selbst behauptete, dass es kein Theorem sei, was wiederum in der Mathematik ein gewaltiges Erdbeben auslöste.
Hofstadter hat dem logischen Genieblitz bereits 1979 ein Denkmal zwischen zwei Buchdeckeln errichtet: das berühmte, Pulitzerpreis-gekrönte "Gödel, Escher, Bach". Nun, knapp 30 Jahre später, geht es schon wieder (oder eigentlich: noch immer) um Gödel, und dennoch ist alles anders. "Gödel, Escher, Bach", das waren verwirrende Exkursionen in die Welt der Palindrome und Paradoxien, im Vergleich dazu ist "Ich bin eine seltsame Schleife" fast brav geraten, hat aber einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinem berühmten Vorgänger: Es hat ein erklärtes Ziel. Hofstadter will nämlich erklären, wie Bewusstsein entsteht, wie es die an sich geistlose Materie schafft, über sich selbst nachzudenken.
Er ist der Meinung, dass der Tanz der Neuronen eine ähnliche logische Struktur aufweist wie Gödels Beweis, den er einmal "seltsame Schleife" genannt hat – daher der Buchtitel. Im weiteren Verlauf des Texts schlachtet der Vegetarier Hofstadter eine heilige Kuh (den Glauben an die stabile Existenz des Ich) und formuliert die Hypothese, dass in unserem Hirn auch seltsame Schleifen anderer Menschen herumgeistern.
Man möchte dem, was er in bildreicher Sprache präsentiert, durchaus zustimmen, selbst wenn man zugeben muss, dass es sich dabei um keine komplett ausformulierte Theo­rie handelt, sondern eher um eine Vision, die zukünftigen Forschergenerationen den Weg weisen könnte. Das muss ja nicht unbedingt ein Nachteil sein. In der Philosophie des Geistes gibt es jede Menge mutloser Beiträge, die Detailargumente auf dem Millimeterpapier verhandeln. Da schadet es nicht, wenn nun einer kommt, sich aus dem Fenster lehnt und ruft: "Hier sitzt der Geist in der Maschine!"

Robert Czepel in FALTER 24/2008



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