Die Europameister. Eine Heimkehr

Johann Skocek, Wolfgang Weisgram, Beppo Mauhart


Wir Europameister

Auf den ersten Blick schrillen die Alarmglocken. Was ist von einem Wälzer namens "Die Europameister – Eine Heimkehr" zu halten, in dem der Bundespräsident, der Bundeskanzler, der Bürgermeister, der Sportstaatssekretär und Alt-ÖFB-Präsident Beppo Mauhart Vorworte absondern dürfen und sogar Fotos einer breit feixenden Susanne Riess-Passer zu finden sind? Das riecht nach Jubelbroschüre.
Mauhart, der Herausgeber des Buchs, ist 1991 erstmals damit herausgerückt, dass sich Österreich um die EM-Endrunde bewirbt. Anvisiert wurde 1996, doch mit der Aufstockung des Turniers auf 16 Teams wurde es für Österreich allein eine Nummer zu groß. Ein Versuch mit Ungarn floppte, mit der Schweiz klappte es – und als Veranstalter ist das ÖFB-Team erstmals für eine EM qualifiziert. Erstmals? Das Kleine Volksblatt titelte bereits am 29. Oktober 1932: "Österreich Europameister!" Streng genommen hatte das Wunderteam durch ein abschließendes 3:1 gegen die Schweiz den im Ligamodus ausgetragenen "Nationencup" gewonnen, der auch "Švehla-Cup" (der tschechoslowakische Ministerpräsident Antonin Švehla hatte den Pokal gestiftet) hieß. Daran nahmen neben Österreich freilich "nur" die Schweiz, die Tschechoslowakei, Ungarn und Italien teil. Allerdings wollte der legendäre Verbandskapitän Hugo Meisl schon damals wirklich Europaweites auf die Beine stellen. 1936 organisierte er Länderspiele auf der Iberischen Halbinsel (5:4 in Madrid und 3:2 in Porto). Der Hintergedanke: Wenn Spanien und Portugal für die Idee zu gewinnen wären, würden auch die übrigen Länder dazustoßen. Bezeichnend für den fußballerischen Zeitgeist dieser Tage war auch, dass Meisl England nicht in seine Überlegungen einbezog. Das "Mutterland" des Fußballs sollte erst gegen den "Meister des Kontinents" antreten. Mit Meisls Tod 1937 starb das Projekt, der erste echte "Europameister" war 1960 die UdSSR.
Dass diese Geschichte letztlich doch mehr bietet als "Euro-Propaganda", dafür sorgen unter anderen die Standard-Journalisten Johann Skocek und Wolfgang Weisgram, die mit bewährt feiner Klinge so manches Kleinod ans Tageslicht bringen. Oder wussten Sie, dass der "Mitropacup" – der Vorläufer des Europacups in den 1930ern – auch deshalb so hieß, weil die Vereine in der Schlafwagengesellschaft "Mitropa" reisten?

Edgar Schütz in FALTER 23/2008



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