Im Morgenlicht der Erinnerung. Eine Kindheit in turbulenter Zeit.

Peter L. Berger


Im April dieses Jahres wurde zum ersten Mal der Paul-Watzlawick-Ehrenring verliehen – und zwar an den 1929 in Wien geborenen und in den USA lehrenden Soziologen Peter Ludwig Berger, der bereits mit dem Wittgenstein-Preis ausgezeichnet worden war. Seine Kindheitserinnerungen handeln aber nicht von der Wissenschaft, sondern von Menschen – von ihren Lebensformen, ihren Glaubensrichtungen und der Kunst, miteinander auszukommen. "Wir brachen eilig auf – mit wenig Geld und noch weniger Gepäck. Aber wir reisten mit Stil." Wenig Ballast und gelassener Stil kennzeichnen auch die Schilderung dieser Flucht vor den Nazis. 1938 verschlägt es die Bergers von Wien ins faschistische Italien, dann ins britische Protektorat Palästina, in dem jüdische und arabische Kultur immer heftiger aufeinanderprallen. Zur politischen Lage in Nahost positioniert Berger sich nicht als Außenstehender, sondern als teilnehmender Beobachter mit Verständnis für beide Seiten.
Auf sozialwissenschaftliches Kauderwelsch verzichtet diese Autobio­grafie. Seine soziologische Sicht vermittelt Berger dennoch: Einfühlsam, aber mit forschender Distanz skizziert er die unterschiedlichen Welten. Trotz großer Ausgewogenheit in der Darstellung vermitteln diese subjektiven Eindrücke jedoch kein geschlossenes Bild. Das Buch endet mit Bergers Emigration kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in die USA.

Andreas Kremla in FALTER 22/2008



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