Sieben Sündenfälle

Norbert Silberbauer


Nachdem sich Norbert Silberbauer bereits an den zehn Geboten mit schwarzem Humor abgearbeitet hat ("Die elf Gebote", 2002), hat er sich nun die sieben sogenannten "Todsünden" vorgenommen und macht diese vornehmlich an Hechten des Provinzkarpfenteichs dingfest, die die Hälfte des Lebens bereits überschritten haben. Der Bürgermeister, der nach 51 Weihnachtsfeiern die Nerven verliert; der Redakteur, der nicht aus dem Bett kommt; der Hochzeitsmusiker, dessen Eroberungen ihn immer weniger befriedigen; das 50-jährige Geburtstagskind, das sich von seinen Freunden verraten fühlt; der Witwer, der sich mit der Katze tröstet; der angehende Pensionist, der aus der Spirale der Wollust kaum mehr herausfindet; und der gealterte Fußballer, der dem Verfall nur noch mühsam trotzt – sie alle sind auf lose Weise mit einer der "Todsünden" verbunden, die nach der klassischen Theologie aus Charakterfehlern entstehen und im Laufe der Jahre bekanntlich nicht abgemildert, sondern eher verstärkt werden ...
Die traurigen Helden dieser ebenso spannenden wie beklemmenden Erzählsammlung vereint ihre Unfähigkeit, im fortschreitenden Alter auch eine positive Bilanz zu ziehen, sich so etwas wie Weisheit oder auch nur Lebensfreude anzueignen und sich trotz beginnenden körperlichen Verfalls so etwas wie Würde zu bewahren. Ganz nebenbei liefert Norbert Silberbauer mit diesen Charakterminiaturen aber auch sieben glänzende Milieustudien. Ein Meisterstück.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 22/2008



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