Einführung in die Kunstphilosophie. Das Ästhetische und seine Objekte

Peter Mahr


Der Wiener Philosoph Peter Mahr wusste es schon im Jahr 2000: Die Rituale der vom Künstler Otto Muehl Anfang der Siebzigerjahre gegründeten Kommune Aktionsanalytische Organisation (AAO) weise große Ähnlichkeiten mit den Formaten des Privatfernsehens auf. Daher vergleicht Mahr die vor laufender Kamera absolvierten therapeutischen Selbstdarstellungsrituale der Muehl-Kommune mit dem Reality-TV von "Big Brother". In beiden Fällen dieser exhibitionistischen Preisgabe von Intimitäten würde eine Gruppe junger Leute ihre Bedürfnisse einem "zentralisierten Wirtschaften mit autoritär verteilten Aufgaben" unterordnen. "Gut möglich, dass die Konzeptleute des Medienspektakels der holländischen Produktionsfirma Endemol einst bei Muehls Kommune zu Gast waren und sich auf ihre Art gegen den unüberwindbaren Übervater post festum rächen", schreibt der ehemalige Falter-Redakteur in seiner "Einführung in die Kunstphilosophie", die diverse Aufsätze und Vorträge der letzten Jahre versammelt. Der thematische Bogen spannt sich von den Erörterungen der Schriften des englischen Philosophen Sebastian Gardner über eine Geschichte des Begriffs Empfindung bis zu einer dekonstruktivistischen Interpretation von House-Music. Die ästhetische Tiefe von David Cronenbergs Film "eXistenZ" wird ebenso gewürdigt wie die Denkwürdigkeit des Wetters. Mahr verzichtet auf die große These, sampelt stichprobenartig die ästhetische Produktion der Gegenwart, um sie mit historisch fundierter Theorie kurzzuschließen. Ebenfalls in einem Sammelband erschienen sind Mahrs Interviews mit überwiegend österreichischen Denkern. In "Österreichische Ästhetik" kommen neben den Literaturkritikern Franz Schuh und Thomas Zaunschirm auch Philosophen zu Wort, die vom Rampenlicht der publizistischen Öffentlichkeit nur selten gestreift werden, etwa Hans-Dieter Klein oder Günther Pöltner.

Matthias Dusini in FALTER 15/2004



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