Mein erster Krieg

Yiftach Ashkenazy, Barbara Linner


Auch der neue Erzählband des israelischen Autors Yiftach Ashkenazy (Jg. 1980) ist von jenem rabiaten Zynismus, der schon die "Geschichte vom Tod meiner Stadt" (2004) ausgezeichnet hat. In der Titelgeschichte schreibt der aus den USA in die israelische Armee geflohene Jack Weizenmann Liebesbriefe der anderen Art: "Du verfettete Kuh" wird da die angebetete Lora angesprochen, weil sie sich für "das Talmudjüngelchen" entschieden hat. Am Versöhnungstag beruhigt sich der Fallschirmjäger: "Du siehst, es gibt einen Gott, denn er hat es noch nicht geschafft, dich zu schwängern."
Die Geschichte über eine junge Kulturwissenschaftlerin, die einen blinden Dichter betreut und von dessen Sohn vergewaltigt wird, steckt voller Klischees. Großartig hingegen ist "Bett Nummer sechs", eine Erzählung rund um das Rambam-Krankenhaus in Haifa: In der Intensivstation liegen Araber und Juden Seite an Seite – der Sohn eines Rabbiners erfährt am Totenbett, dass seine Mutter eine "SS-Hündin" war. Der Leukämietod des kleinen Or, eine verrückte Sexologin, perverse Ärzte und gewalttätige Kibbuzniks – immer wieder tauchen am Rand dieser apokalyptischen Landschaft Holocaust und Krieg auf. Auch wenn in Yiftach Ashkenazys Erzählungen mitunter ein bisschen viel Sperma und Menstruationsblut fließen – offenbar weiß ihr wortgewandter Verfasser, wovon er voller Ernst und geradezu besessen schreibt. Auf billigen Schock ist er nicht aus.

Erich Klein in FALTER 20/2008



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