Frühmorgens, abends oder nachts

Yasmina Reza


Was kann dabei herauskommen, wenn Yasmina Reza, die derzeit die erfolgreichsten Stücke für die Bühnen dieser Welt schreibt, Nicolas Sarkozy ein Jahr lang im Wahlkampf begleitet? Ein politisches Drama? Eine Demaskierung? Ein bisschen von allem. Reza montiert ihre Be­obachtungen und Gedanken zu einer Art dokumentativer Stimmungscollage aus dem absurden Reich der Politik – ein diskreter Blick hinter die Kulissen der Macht, der in Frankreich ein Riesenerfolg war. Stets im Zentrum: der Kandidat, inzwischen französischer Präsident. Sarkozy auf Parteiveranstaltungen, im Flugzeug, beim Autogrammgeben, in internen Besprechungen, privat zu Silvester mit seiner damaligen Frau Cecilia.
Manchmal ist das, was Reza schreibt, treffend, manchmal bloß banal, manchmal einfach selbstverliebt – wobei schwer zu sagen ist, ob das mehr an der Autorin oder am Objekt ihres Interesses liegt. Sarkozy fühlte sich sichtlich geschmeichelt, als ihm die französische Starautorin von Juni 2006 an im Wahlkampf nahezu täglich folgte. Reza wiederum scheint von ihrer Idee für ihr Buch mitunter sehr eingenommen. Das gibt dem Werk über weite Strecken eine gewisse Distanzlosigkeit, symbolisiert auch durch das sehr kumpelhafte Du, das Reza und Sarkozy pflegen. Hier haben sich zwei Stars mit Sicherheit ein Denkmal gesetzt.

Barbaba Tóth in FALTER 19/2008



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