Kampfzonen in Kunst und Medien. Texte zur Zukunft der Kulturpolitik

Konrad Becker, Martin Wassermair, Marlene Streeruwitz,...


Die "Zukunft der Kulturpolitik", die er im Untertitel adressiert, kommt in diesem Sammelband nicht vor. Stattdessen konzentrieren sich die 26 Kurztexte auf das Jahr 2000 und die schwarz-blaue Koalition. Die Herausgeber überlassen es anderen, den Subventionsstopp für ihre Public Netbase durch die rechtskonservative Regierung zu kritisieren; sie selbst firmieren unter "World-Information Institute", aber Informationen zu diesem Projekt fehlen. Offenbar setzen Becker und Wassermair voraus, dass die Leserschaft schon weiß, aus welcher Position sie sprechen.
Ob es um die vielbeschworenen "Creative Industries", die Kämpfe um die Diagonale oder die Inszenierungen des "Gedenkjahrs" geht: Der lobenswerte Band zeichnet alle wichtigen Schlachtfelder der Ägide Schüssel/Morak nach; Proponenten des "Widerstands" wie Isolde Charim oder Gerhard Ruiss liefern Beiträge. Bisweilen nehmen jedoch Polemik und Eitelkeit der Autoren den Raum ein, der für Dokumentation und Analyse nötig wäre. Gelungen hingegen Daniela Koweindls Text über die Künstlersozialversicherung, ebenso wie Thomas Trenklers instruktive Darstellung der Museumsdebatte, in der auch die Frage nach den kulturpolitischen Zielen der SPÖ virulent wird, die bislang über Ankündigungen kaum hinausgekommen ist. Als Vademecum für Ministerin Claudia Schmied könnte der Band zur Rückkehr in die Zukunft beitragen.

Nicole Scheyerer in FALTER 16/2008



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