Humanomics. Die Entdeckung des Menschen in der Wirtschaft

Uwe Jean Heuser


Geld und Glück

Vergessen Sie, was Sie über Ökonomie zu wissen glaubten. Denn die Ökonomen vergessen gerade, was sie über uns zu wissen glaubten", fordert Uwe Jean Heuser seine Leser gleich zu Beginn auf. Dass Menschen rationale Nutzenmaximierer seien und Märkte quasi von Natur aus funktionieren sollen, war vielen Ökonomen schon lange suspekt. In jüngster Zeit haben sich die führenden Forscher und Fakultäten daran gemacht, das Weltbild zu entrümpeln, das ihren Theorien zugrunde lag, um ihr Fach für Einsichten und Methoden aus Psychologie, Hirnforschung und Politikwissenschaft zu öffnen. Weil an den Unis aber vielfach noch die tradierte neoklassische Lehre herrscht, kommt das Buch des Wirtschaftsredakteurs der Zeit gerade recht.
"Humanomics" dokumentiert die Wiederentdeckung des Menschen in den Wirtschaftswissenschaften, analysiert aber auch, was das für Wirtschaftspolitik und Gemeinwesen bedeutet. Wenn Heuser mitunter ins Ungefähre abdriftet, liegt das vor allem daran, dass das Umdenken gerade erst eingesetzt hat. Das Buch zeigt, dass der Homo oeconomicus in Wahrheit ein Homo reciprocans ist: Wir handeln in Beziehungen zu anderen, sind bereit zu kooperieren und zu vertrauen, schlagen aber zurück, wenn wir missbraucht werden.
Mit Sozialleistungen können wir eher leben, wenn die Betroffenen selbst etwas tun müssen, um aus ihrer Notlage herauszukommen. Am ehesten nehmen wir wahr, was uns bestätigt. Darum wissen wir nicht zu schätzen, was uns zu billig erscheint. Wenn es mühsam ist, uns selbst ein Bild zu machen, orientieren wir uns an den Entscheidungen anderer. Und glücklich ist nicht derjenige, der viel hat, sondern wer ein bisschen besser abschneidet als Freunde und Bekannte.
Einen Verlust abzuwenden ist uns ungleich mehr wert, als einen entsprechenden Gewinn zu erzielen. Risiken einzuschätzen fällt uns schwer, da sind wir manipulierbar. Die meisten legen ihr Vermögen vor allem zum Vorteil der Finanz- und Immobilienbranche an. Geschickte Verkäufer kriegen uns herum, indem sie uns ein kleines Geschenk machen. Die Währung, in der wir handeln, ist am Ende nicht Geld, sondern das in unserem Hirn ausgeschüttete Dopamin.

Stefan Löffler in FALTER 16/2008



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