Wortmeldung. Polemiken, Pointen, Poesien

Miguel Herz-Kestranek


Dieser Tage feiert er seinen Sechziger: Bekannt geworden als Josefstadt-Schauspieler (Schnitzler!) und als kauziger Magister Liguster in Jörg Mauthes Fernsehserie "Familie Merian", spielt Miguel Herz-Kestranek heute vor allem Hauptrollen in, sagen wir, zweitklassigen TV-Filmen. Mit dieser Form der geistigen Prostitution durchaus kokettierend, leistet er sich eine weniger lukrative Nebentätigkeit als Schriftsteller: So hat er neben Humoristischem 1997 die Lebensgeschichte seines Vaters Stefan, eines jüdischen Großbürgers, erzählt, dessen Exilzeit in Uruguay der Sohn seinen Vornamen verdankt.
Herz-Kestraneks neues Buch "Wortmeldung" enthält, was der Untertitel verspricht: überraschend rabiate Briefe an prominente Zeitgenossen, gut geschüttelte Reime, ungebührliche Lobreden, Zeitungskommentare zu "Betroffenheitsmonopolen" und andere Ereiferungen, Witziges, Überdrehtes und Gescheites.
Die für den Schauspielerberuf nötige Fixierung auf die eigene Person ist dem Buch anzumerken. Wir lesen, wie MHK diverse Fragebögen ausgefüllt hat. Wir erfahren, dass sein "Held in der Geschichte" Franz Jägerstätter heißt, dass er am liebsten mit Elfriede Jelinek und Woody Allen einen Abend verbringen würde (mit beiden gemeinsam?) und was ihm peinlich ist ("Erektionsstörungen"). Mit News allerdings spricht er – anders als bedeutende Autoren dieses Landes – aus Prinzip nicht.

Daniela Strigl in FALTER 13/2008



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