Eugenik in Österreich. Biopolitische Strukturen von 1900 bis 1945

Gerhard Baader, Veronika Hofer, Thomas Mayer, Michael...


Einige grundlegende Fragen beantwortet schon das Vorwort der drei Herausgeber: Es hat in Österreich eine Eugenikbewegung gegeben, die nicht nur eine Kopie der nazideutschen Entwicklungen war. Was heißt eine? Es gab mehrere eigenständige Richtungen mit einer markant politisch geprägten Aufspaltung. Die Eugenik wurde von Francis Galton definiert und kam im Gefolge von Darwins "Survival of the Fittest" in Mode. Sie kannte ursprünglich "fördernde" und "verhindernde" Ansätze und ist deshalb nicht dasselbe wie NS-Rassenhygiene.
In der Artikelsammlung renommierter Fachleute wird ein Überblick über die Grundlagen der österreichischen posthabsburgischen Eugenikbewegung gegeben, die bis 1938 jedenfalls keine medizinische Mehrheitsmeinung war – leider auf Kosten der Allgemeinverständlichkeit. Ohne Fremdwörterbuch, den "Pschyrembel", eine Brockhaus-Gesamtausgabe oder wahlweise Wikipedia ist das Werk für nicht fachkundige Leser kaum zu schaffen. Ein Glossar und ein Stichwortverzeichnis fehlen.
Trotzdem finden sich viele spannende Fakten und Analysen, etwa über den sozialistischen Sozialreformer Julius Tandler, über den Begriff der Konstitution nach Julius Bauer, der 1938 selbst emigrieren musste, oder über die katholische Eugenikbewegung, die Menschen zu allen Zeiten ihre Moralvorstellungen von Ehe, Sexualität und Fortpflanzung vorschreiben wollte.

Astrid Kuffner in FALTER 12/2008



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