Was von uns bleibt. Über die Unsterblichkeit der Seele - Ein SPIEGEL-Buch

Mathias Schreiber


Mut zur Unsterblichkeit?

Ist mit dem Tod des Menschen "alles aus" oder gibt es so etwas wie eine unsterbliche Seele? Und hat die Idee der Unsterblichkeit in einer von Naturwissenschaften, allen voran der Hirnforschung, geprägten Zeit überhaupt noch eine Chance? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Mathias Schreiber, Kulturredakteur des deutschen Nachrichtenmagazins Spiegel. Denn der Autor mag sich mit der Vorstellung, der Tod bedeute den "schieren Übergang ins Nichts", nicht zufriedengeben.
Schreibers Kulturgeschichte des Jenseitsglaubens führt vom Ahnenkult der antiken Kulturen zu den Altägyptern mit ihren rund tausend Göttern, denen die Menschenseele vor allem durch den Tod begegnen kann. Die orphische Lehre der Griechen mit ihrem dionysischen Kultfest zur Reinigung der Seele führt zu Platon, der erstmals einen strikten Begriff eines seelischen Wesens entwickelte. Die christliche Morallehre des Mittelalters brauchte die Idee des Fortlebens der Seele, um ihr Konzept von Belohnung und Strafe im Jenseits zu rechtfertigen. Aber auch Kant fürchtete, ohne die Unsterblichkeit der Seele würde die Grundlage für die Moralität wegbrechen. Ganz anders die indischen Lehren von der Wiedergeburt.
Und die moderne Naturwissenschaft inklusive Hirnforschung, die mit der Vorstellung einer Unsterblichkeit der Seele nun herzlich wenig anzufangen wissen? Der Autor vermutet dahinter "eine Illusion, der ,schonungslos' kritischen Nüchternheit, die an der ,Macher'-Gesinnung des technischen Zeitalters orientiert ist". Jenen Hirnforschern, die das Bewusstsein und die Gefühle als Interaktion zwischen den Nervenzellen und ihren Molekülen erklären, antwortet er: "Wer bei diesem komplexen Lebensthema den kompletten Diskurs an die Gehirnforscher abtritt, kann auch gleich die Frage, was die Sfumato-Schönheit des Mona-Lisa-Porträts von Leonardo da Vinci ausmache, den Gesichtschirurgen oder den Farbchemikern überlassen."
Er plädiert daher für den Mut, an die Unsterblichkeit zu glauben, und begründet dies so: Dass nach dem Tod nicht einfach "alles aus" sein kann, dagegen spräche neben den Überlegungen vieler Weiser etwa die Tatsache, dass der Mensch auch abseits seiner arterhaltenden Triebe das Schöne und Gute zulasse.

Sabina Auckenthaler in FALTER 11/2008



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×