Holz

Joachim Radkau


Bereits vor unvorstellbaren 400.000 Jahren beherrschte der Mensch die komplexe Bearbeitung von Holz, wie ein prähistorischer Fund zweier ballistisch austarierter Wurfspeere im deutschen Harz belegt. Als Roh-, Werk-, Bau-, Brennmaterial begleitete der Naturstoff den Menschen durch die Jahrtausende seiner Geschichte, woran nicht einmal das stählerne Zeitalter der Industrialisierung etwas ändern konnte.
Vielleicht liegt es an der Selbstverständlichkeit dieser engen Beziehung, dass die Geschichtswissenschaft das Material so erstaunlich spät in den umfassenden Blick nahm. Erst vor zwanzig Jahren legte der renommierte Bielefelder Umwelt- und Technikhistoriker Joachim Radkau eine Pionierarbeit zum Thema vor, der er nun sein ausführliches Buch "Holz. Wie ein Naturstoff Geschichte schreibt" folgen ließ – als dritten Band (nach "Staub" und "Kaffee") der hochwertigen Reihe "Stoffgeschichten" des Wissenschaftszentrums Umwelt in Augsburg. Von den Tagen des Homo erectus bis in die Gegenwart hinein stellt Radkau in gänzlich unhölzerner Sprache den Wandel der vielschichtigen Beziehungen des Menschen zu Holz und Wald dar, betrachtet unterschiedlichste Holzgewerbe und längst globale Handelswege, die Entstehung der Forstwirtschaft, die Denaturierung des Rohstoffs, den Konflikt zwischen Nachhaltigkeit und Ökonomie. Und erzählt so, gleichsam nebenbei, auch eine hochinteressante Geschichte der Menschheit.

Carsten Fastner in FALTER 9/2008



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