Philosophen wie wir

Nigel Rodgers, Mel Thompson


Die Vorstellung, die großen Philosophen seien völlig vergeistigte Existenzen gewesen und hätten enthoben aller menschlichen Leidenschaften und Schwächen den lieben langen Tag vor sich hin philosophiert, ist natürlich grober Unfug. Spätestens seit Monty Pythons "Bruces' Philosophers Song" weiß man, dass Heidegger ein "boozy beggar" war, "who could think you under the table". Und der Alkohol stellte bei weitem nicht das einzige Übel dar, wie Nigel Rodgers und Mel Thompson ausführen. "Große Denker menschlich betrachtet" verspricht der Untertitel, und genau das bietet dieses amüsante Buch auch: Kurzbiografien von unerträglichen Pedanten, ewigen Schnorrern, notorischen Fremdgehern und rauflustigen Zornbinkerln, die sich nebenbei in die Philosophiegeschichte einschrieben.
Das Schöne an dem Buch ist, dass es nicht als Lachparade angelegt ist, die beim Leser nur Schadenfreude erzeugen soll. Die acht Porträts (Rousseau, Schopenhauer, Nietzsche, Russell, Wittgenstein, Heidegger, Sartre, Foucault) bieten durchaus respektvoll verfasste Lebensläufe von zerrissenen Charakteren. Teils wird das Image so manches Philosophen sogar aufpoliert. Nietzsche, "der kränkelnde Übermensch", sei keineswegs ein Antisemit gewesen und habe seine Landsleute so sehr verachtet, dass er behauptete, ein Pole zu sein. Schade nur, dass Kierkegaard und seine verzwickten Schuldkomplexe keine Aufnahme gefunden haben.

Sebastian Fasthuber in FALTER 8/2008



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