Weißbuch Frauen / Schwarzbuch Männer. Warum wir einen neuen Geschlechtervertrag brauchen

Sibylle Hamann, Eva Linsinger


Gebt den Männern endlich Gleichberechtigung! Eine Bestandsaufnahme der Lage der Frauen

Der Titel ist irreführend: Sibylle Hamann und Eva Linsinger geht es in ihrem "Weißbuch Frauen, Schwarzbuch Männer" eben nicht um Schuldzuweisungen oder gar um die Behauptung, dass Frauen alles richtig und Männer alles falsch machen würden, sondern, wie der Untertitel verrät, darum: "Warum wir einen neuen Geschlechtervertrag brauchen". Die Begründung erfolgt umfassend, weshalb man schon bei seinem Erscheinen im Jahr 2008 bisweilen den Eindruck hatte, dass hier nichts Neues erzählt wird. Leider hat sich seitdem so wenig verändert, dass die meisten seiner Thesen und Forderungen aktuell geblieben sind.
Etwa, dass Frauen mittlerweile alle Anforderungen für eine Karriere mitbringen, sie ihnen meist aber trotzdem verwehrt bleibt, weil das hiesige Familienförderungssystem den Status quo einzementiert. Trotzdem gibt es positive Veränderungen zu vermelden: Die Quote hat sich mittlerweile als Gleichstellungsinstrument etabliert, speziell etwa bei den ÖVP-Frauen und in wirtschaftsnahen Kreisen. An den Universitäten oder im ORF hat sie sogar zu deutlich mehr Frauen in Leitungsfunktionen geführt. Auch das Image der Kindergärten als Bildungseinrichtung hat sich verbessert – wenn auch nicht das Gehalt der Betreuerinnen.
Die Analyse der beiden Journalistinnen der ideologischen Feldzüge, romantischen Beziehungsideale, persönlichen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten, von staatlicher Politik und häuslicher Arbeitsteilung besticht durch ihre Unaufgeregtheit. Noch immer stellt sie einen der umfassendsten Beiträge zu einer Debatte dar, die noch lange nicht abkühlen wird. Als Lösungsstrategie für das "Paradox" eines anscheinend ­veränderungsresistenten Geschlechterarrangements, das weder emotional zufriedenstellend noch wirtschaftlich effizient oder gar stabil sei, stellte das Autorinnenduo zum Schluss übrigens die diplomatische Forderung an die Frauen, endlich loszulassen. Sprich: "Männer endlich gleichberechtigt ernstzunehmen als Kümmerer, Nährer und Erzieher; bei all jenen reproduktiven Aufgaben, die bis jetzt Frauensache sind."
Auch wenn die Väterkarenz erst langsam in Gang kommt: Die Anzahl der jungen Männer, die Familie und Haushalt nicht mehr als reine Frauensache ansehen, die selbstverständlich nachts aufstehen und Windeln wechseln, wächst stetig.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 50/2014



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