Die Liebe am Nachmittag. Leutnant Pepi zieht in den Krieg

Ernö Szép


Eine schöne Entdeckung ist dieser aus dem Jahr 1935 datierende Roman des ungarisch-jüdischen Schriftstellers Ernö Szép (1884–1953), der zu den "Großen Eleganten" seines Landes gezählt wurde. Die deutsche Erstausgabe macht deutlich, warum: Die feinen Abstufungen im Ton, die messerscharfe Selbstanalyse – das lässt einen bei der Lektüre des Buches ein wenig nostalgisch darüber nachsinnen, dass in der Literatur früher nicht unbedingt alles schlechter war.
Dabei wäre die Geschichte prädestiniert für seichten Kitsch. Der Ich-Erzähler Mihály streift in dem Buch als von Geldsorgen geplagter Autor ("Ich habe kein Geld. Und wie viel Geld ich nicht habe!") durchs Budapest der Zwischenkriegszeit. Vor der Not, täglich Feuilletons verfassen zu müssen, graut es dem Mittvierziger, und auch sein neues Theaterstück macht ihm zu schaffen. Die freie Zeit vertreibt sich der Junggeselle mit zwei Geliebten – einer etwas älteren Dame aus der guten Gesellschaft und einer ganz jungen Schauspielerin. Liebschaften hat Mihály, aber keine Liebe: "Ich warte und warte darauf, hoffe sehr, dass mir ein kleines Kälbchen hier drinnen von links an die Brust stupst, dass mein Herz einmal bis zum Morgen diesen dunklen, reinen, weichen Maulwurfshügel aufwirft." Melancholie de luxe.

Sebastian Fasthuber in FALTER 8/2008



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