Edmund und Rosemary in der Hölle

Bruce E Kaplan


Alles geht doch den Bach runter: das Kino, die Musik, die Kunst, ach was – eh alles. Mit dieser Einstellung gerät man freilich leicht in den Geruch eines mieselsüchtigen, knasterbärtigen Kulturpessimisten. Es sei denn, man bleibt unter sich. Zum Beispiel als Ehepaar – so eins wie jenes, das Bruce Eric Kaplan geschaffen hat. Kaplan ist ein respekteinflößender Mann, der Cartoons für den New Yorker zeichnet und Folgen für die Weltklasse-TV-Serie "Six Feet Under" geschrieben hat, bei der er auch als Executive Producer fungierte (was auch immer so einer macht). Er hat also im Leben so gut wie alles erreicht, hätte "Edmund und Rosemary in der Hölle" also nicht unbedingt zeichnen und schreiben müssen – zu unserem Glück hat er's dennoch getan.
Edmund und Rosemary sind allem Anschein nach ein Ehepaar irgendwo im späteren Abschnitt der sehr langen mittleren Jahre. Hätten sie bloß ihrer Katze Delia dabei zugesehen, wie die mit dem Wollknäuel spielt, Edmund und Rosemary wären vielleicht glücklich alt geworden. Niemand hat ihnen geschafft, "zu einem Spaziergang um ihren Block in Brooklyn" aufzubrechen. Man sieht sie aus dem Haus treten und sieht das hintere Bein von Rosemary um die Buchseite biegen, und: "Sogleich geschah etwas Furchtbares."
Ein Abgrund tut sich auf: Menschen, die an ihren Mobiltelefonen kleben, behelligen das arglose Paar mit Lärm, Unachtsamkeit und nötigen es zu den entsprechenden Ausweichmanövern. Flucht? Unmöglich, wie sich herausstellt: Im Kino spielt es nur Scheiße, im Fernsehen läuft sowieso nur Dreck, in den Geschäften gibt es nur Krempel, den keiner braucht, und überhaupt geht doch der ganze Globus den Bach runter, "mehr Kriege denn je und mehr religiöse Spinner und mehr Völkermord und mehr Seuchen und Naturkatastrophen wegen der Klimaerwärmung, die alles beenden wird". Als Erstes merkt es Edmund, dann muss es sich auch Rosemary eingestehen: Die beiden sind in der Hölle!
Also machen sich Ed und Rosy auf den Weg zum Ausgang in den Himmel – der allerdings verlegt worden ist. Mehr soll nicht verraten werden, bloß das noch: Kaplan hat eine sehr nette und sehr hübsch bebilderte Geschichte darüber geschrieben, dass man den Himmel dann vielleicht … Dass man jedenfalls erst mal ein Parfait bestellen sollte￾

Klaus Nüchtern in FALTER 6/2008



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