Susan Sontag. Geist und Glamour

Daniel Schreiber


Da konnte jemand nicht warten: Vor ihrem Tod 2004 hatte die Autorin Susan Sontag ihren Nachlass auf fünf Jahre gesperrt. Anstatt diese Frist abzuwarten, machte sich der dreißigjährige Berliner Journalist Daniel Schreiber aber schon jetzt über Sontags Leben her. "Geist und Glamour" lautet der Untertitel der Biografie, die beide Facetten der Ausnahme-Intellektuellen nur unzureichend einfängt. Schreibers Buch fällt zwar nicht in die Kategorie Beweihräucherungsbio und spart sich reißerische Anekdoten aus Sontags Liebesleben. Aber da er auch wenig auf ihr weitläufiges Werk eingeht, bleiben die Schilderungen über weite Strecken blass. Wie gern hätte man etwa mehr über die italienische Herzogin Charlotta del Pezzo erfahren, mit der Sontag Ende der Sechziger liiert war. Zudem geizt das Buch mit Fotos, kein Bild aus Kindheit und Jugend, keine einzige Aufnahme von Sontags berühmter Partnerin Annie Leibovitz.
Eindrucksvoll bleibt der in dieser vorzeitigen Biografie skizzierte Lebensweg dennoch. Die Halbwaise, die mit ihrer verarmten Mutter in einem Trailer-Bungalow in Arizona aufwuchs, verschlang jedes greifbare Buch und baute Europa als großes Gegenideal zu ihrer traurigen Kindheit auf. 1964 gelang der 31-jährigen geschiedenen Mutter eines Sohnes mit dem Artikel "Camp" der Durchbruch. Als Essayistin gefeiert versuchte Sontag zeitlebens als Schriftstellerin zu reüssieren. Ihr enormer Kampfgeist verträgt auch noch eine schwache Schilderung ihrer selbst.

Nicole Scheyerer in FALTER 4/2008



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