Der letzte Weynfeldt

Martin Suter


Endlich ein Diogenes-Buch, bei dem die Titelillustration unmittelbar mit dem Inhalt zu tun hat! Félix Vallottons Gemälde "Femme nue devan une salamandre" kommt im jüngsten Roman des Schweizer Bestsellerautors Martin Suter gleich zweimal vor: im Original und in einer zwar nicht für den Laien, sehr wohl aber für den Titelhelden identifizierbaren Fälschung. Adrian Weynfeldt, Adelsspross und Kunstexperte in sehr mittleren Jahren, soll das Gemälde für eine Auktion schätzen, wird in seinem seriösen und vorsätzlich gleichförmigen Lebenswandel aber doch etwas von der zwischen Suizid und Sektlaune oszillierenden Lorena abgelenkt, die als Model zwar auch schon bessere Tage gesehen hat, deren erotische Strahlkraft aber durch die stupende Ähnlichkeit mit Adrians früh verstorbener Exgeliebten nicht gerade gemindert wird.
Krimi-Plot und Schlusspointe sind solide Handarbeit, wären aber noch kein hinreichender Grund, die nächste Bahnreise just mit dem letzten Weynfeldt anzutreten. Der Hauptreiz geht vom sympathisch weltfremden Protagonisten und den Milieuschilderungen aus, die freilich darunter zu leiden haben, dass der Autor wirklich jede Menüfolge und jedes Designerstück beim Namen nennen und mit seinem Fachwissen über Champagner (Roederer Cristal: besonders kleine Bläschen!) nicht hinterm Berg halten will. Außerdem hätte ihn der Lektor darauf hinweisen sollen, dass "schwadronieren" kein Synonym für "flanieren", sondern für "schwätzen" ist.￿

Klaus Nüchtern in FALTER 4/2008



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