Wann ist eine Mensch ein Mensch?. Antworten der Neurowissenschaft auf ethische Fragen

Michael S. Gazzaniga, Maren Klostermann


Angenommen, man könnte die Erbanlagen ungeborener Kinder gezielt und ohne Risiko manipulieren: Sollten wir diese Technologie anwenden – oder sie strikt verbieten? Die Antwort hängt freilich davon ab, was man damit erreichen will. Gentechnologie als Werkzeug gegen Erbkrankheiten einzusetzen, mag vielen noch diskussionswürdig erscheinen. Mit Intelligenzgenen ausgestattete Designerbabys hingegen werden die allermeisten intuitiv ablehnen. Vermutlich zu Recht, nur ist das Bauchgefühl in solchen Debatten nicht immer ein verlässlicher Partner. Daher sollte man sich zunächst an zwei Regeln orientieren. Erstens: Mache alle Prämissen sichtbar, die in deine Urteile eingehen; und zweitens: Sei nicht dogmatisch, sondern versuche, folgerichtig zu argumentieren. Michael Gazzaniga beherzigt diese Regeln, seine Auseinandersetzung mit Themen wie Stammzellforschung, Abtreibung und Neurodoping fällt transparent und – so weit als möglich – vorurteilsfrei aus.
Abschließende Antworten hat der am Dartmouth College lehrende Neurowissenschaftler zwar nicht anzubieten. Doch wer weiß schon, welches Urteil in zwanzig Jahren angemessen sein wird? Zum Thema Gentechnologie versus Eugenik etwa bezieht er eine behutsam optimistische Position: "Letzten Endes ist es uns Menschen immer wieder gelungen, (...) die unklugen, maßlosen und größenwahnsinnigen Verhaltensweisen, die bestimmte Teile unserer Spezies an den Tag legen, hinter uns zu lassen."

Robert Czepel in FALTER 3/2008



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