Gute Marken, böse Marken. Konsumieren lernen, aber richtig

Stefan Kuzmany


Konsumieren kann die Welt verbessern. Wir möchten alle gerne Lohas sein, einen lifestyle of health and sustainability leben. Wer ist nicht gegen die Erderwärmung – außer den Grönländern, die seit ein paar Jahren ganz neue Gemüsesorten ernten können? Also: Weniger bis gar nicht mehr fliegen, Auto verkaufen oder auf Hybridantrieb umsteigen, weniger Kleidung aus Sweatshops kaufen, Ökostrom
in Energiesparlampen verbrauchen und vegan, auf alle Fälle biologisch essen! Wenn da nicht der innere Schweinehund wäre!
Genau das ist das Thema dieses manchmal sehr witzigen, manchmal geschwätzigen, immer sehr persönlichen "Erfahrungsberichts". Der Autor, ein 34-jähriger taz-Redakteur, gesteht erst wortreich, dass er gerne bei McDonald's isst, und veranstaltet dann ein ermüdend langes Gerichtsverfahren gegen seine Haushaltsreiniger. Später wird – weniger verquält originell – über Kinderarbeit und den durchgeknallten, sexistischen Chef von American Apparel berichtet, des korrekten Vorzeige-Mode-Labels aus L.A., das bei Kuzmany ganz schlecht wegkommt. Zum Schluss begibt sich der Autor auf die vergebliche Suche nach der glücklichen Henne, die sein Biofrühstücksei gelegt hat. Wäre Kuzmany ein Enthüllungsjournalist und nicht ein etwas selbstverliebter Schönschreiber, hätte sein Buch mehr Biss. So ist es eine launige, etwas naive, mitunter kluge und erfrischende Einführung. Wer mehr wissen will, sollte zum "Original" greifen: Leo Hickmans "Fast nackt".

Thomas Askan Vierich in FALTER 1-2/2008



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