Wir lassen uns gehen

David Schalko


Fernsehsendungen, Filme, Bücher – wer in relativ jungen Jahren so viel auf einmal macht wie David Schalko, zumal erfolgreich, der wirkt bald einmal suspekt. Weil: Womöglich ist der ja auch nur ein Schlaumeier, der gar nichts davon gescheit kann und uns nur mit seiner Masche eingewickelt hat. Sein neuer Erzählungsband liefert nun jedoch den Beweis, dass Schalko schreiben kann. Nach dem Roman "Frühstück in Helsinki", einem Stück (zu) spät gekommener Popliteratur, findet er in "Wir lassen uns gehen" seine Form in kurzen, fünf bis 25 Seiten langen Geschichten absurd-abartiger Natur. Die Verdichtung des Erzählten ist beeindruckend, was auch dafür spricht, dass es sich hier nicht um nebenbei des Nachts hingeschriebene Genieblitze handelt, sondern um Texte, an denen länger gefeilt wurde.
Bündelung ist auch bitter nötig, denn an Ideen mangelt es dem Autor wahrlich nicht. Als Beispiel mag die in Briefen erzählte Geschichte eines Sportschuh-Marketingmannes dienen, der einem Kollegen und Jugendfreund einen genialen Einfall unterbreiten will, wie man kritische NGOs von der Produktion der Schuhe in China unter unmenschlichen Bedingungen ablenken könnte – wobei es sich nebenbei auch noch um ein Liebes- und Irrsinnsdrama handelt. Schriftstellerisch mag es Verschwendung sein, so viel Pulver auf elf Seiten zu verschießen, aber der Unterhaltungswert für den Leser ist in dieser konzentrierten Form beträchlich. Alle Achtung!

Sebastian Fasthuber in FALTER 51-52/2007



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