Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben

Giorgio Agamben


Das nackte Leben und die „Krise“

Der italienische Jurist und Philosoph Giorgio Agamben hat mit seiner zeitdiagnostischen „Homo sacer“-Reihe immer wieder Kontroversen in ganz Europa und darüber hinaus entfacht: Kann es auch in modernen Demokratien zum Auftreten der römischen Rechtsfigur des „Homo sacer“ kommen, einer Art „Unberührbaren“? Genau das behauptet Agamben im ersten Teil der Reihe, 1995 verfasst und erst 2002 ins Deutsche übersetzt. Der Souverän entscheide über den Ausnahmezustand und damit darüber, was außerhalb des politischen Feldes bleibt: eben das „nackte Leben“, die bloß leibliche Existenz. Regel und Ausnahme, Recht und Unrecht verschwimmen in diesem Zustand. Vielfach verkörpert sieht der Autor das nackte, entrechtete Leben in den KZ-Häftlingen ebenso wie in den Flüchtlingen in Abschiebelagern. Sein Werk ist somit (wieder) hochbrisant.

Gregor Patorski in FALTER 16/2016



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