Im Spiegel der See. Die Leben des Joseph Conrad

John Stape


Joseph Conrad sagte von sich selbst, er habe drei Leben gehabt – als Pole, Seemann und Schriftsteller. John Stape bezeichnet ihn als "Homo multiplex": Das ist nicht übertrieben, wenn man sich vor Augen hält, wie unwahrscheinlich es war, dass aus dem elternlosen Teenager aus der russischen Provinz ein Seefahrer in französischen und britischen Diensten und schließlich einer der bedeutendsten englischsprachigen Schriftsteller der Moderne wurde.
Conrad erfand sich neu. Er war als Seefahrer wie Autor ein Selfmademan. Doch beide Karrieren waren alles andere als geradlinig, mehr Kampf und trotzige Selbstqual aus Unwillen, einen einmal gewählten Weg zu verlassen. Darin ähnelt Conrad einigen seiner berühmtesten Figuren, besonders Lord Jim, dem ebenfalls zur See fahrenden Protagonisten des gleichnamigen Romans. Ebenso wie seine literarischen Gestalten bewegte auch er sich zwischen verschiedensten sozialen Schichten; ein schwieriges Manöver für den Menschen Conrad, der oft einsam war, doch mit unbezahlbaren Einsichten für den Schriftsteller.
Anders als Elmar Schenkel (siehe auch die nebenstehende Rezension), der sich Conrad in verschiedenen Essays nähert, folgt Stape Conrads verschlungenen Wegen chronologisch von der Wiege bis zur Bahre. Dabei räumt er auch mit vielen Märchen auf, die sich um Conrads Leben ranken, wie Selbstmordversuchen, Liebschaften und unehelichen Kindern.

Karin Chladek in FALTER 48/2007



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