Fahrt ins Geheimnis. Joseph Conrad - Eine Biographie

Elmar Schenkel


Der Autor von "Herz der Finsternis" war ein rätselhafter Mensch, sein Leben voller Brüche. Geboren am 3. Dezember 1857 als Józef Teodor Nalecz Konrad Korzeniowski, russischer Untertan, in der heutigen Ukraine, starb er am 3. August 1924 bei Canterbury als britischer Staatsbürger. Der Pole wirkt auf Fotos wie ein britischer Gentleman aus dem Bilderbuch – und hat erst mit 21 Englisch gelernt. Er wurde hofiert und bewundert – und musste doch lang um eine berufliche Existenz kämpfen.
Er war sensibel, gebildet – und ein Spieler, der seinen reichen Onkel oft um Geld anbettelte. Ein kranker Mann – und doch als Kapitän ständig in Gegenden wie dem malariaverseuchten Borneo und Kongo unterwegs. Weshalb beschäftigen Conrads nur vermeintlich antiquierte Seefahrtsgeschichten nach wie vor nicht nur eingefleischte Anglisten? Elmar Schenkel hält Conrad "für den ersten Autor, der die Natur der Globalisierung erfasste – vom Kolonialismus bis zum Terrorismus".
Das mag übertrieben sein, aber nur etwas: Nicht umsonst waren es die schon im 19. Jahrhundert globalen Handelsbeziehungen, die es dem Sohn eines verbannten politischen Aktivisten ermöglichten, seinen Traum von weltweiten Reisen zu verwirklichen. Was ihn tief blicken ließ. "Herz der Finsternis" inspirierte Francis Ford Coppola zu "Apocalypse Now". Buch wie Film zeigen den Wahnsinn, den kolonialer Machtmissbrauch über alle Beteiligten bringt: "The horror!"

Karin Chladek in FALTER 48/2007



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